Jammersceuen in Lissabon bei den Gewalttaufen. 383
welche noch zurückgeblieben waren, in einen Platz (os Lstäos genannt),wie das Vieh in Ställen, einsperren und eröffnete ihnen, daß sie nunseine Sklaven seien, und er nun nach Belieben mit ihnen verfahrendürfte ^). Er forderte sie dann auf, sich freiwillig zum Christenthumzu bekennen, dann sollten sie Ehre und Neichthümer erhalten, wonicht, so würden sie ohne Mitleid mit Gewalt zur Taufe gezwungenwerden. Als viele von ihnen dennoch standhaft blieben, verbot er,ihnen drei Tage und drei Nächte Nahrung und Wasser zu reichen,um sie durch Hunger und Durst mürbe zu machen. Auch diesesMittel verschlug bei den Meisten nicht; sie verschmachteten lieber, alsdaß sie sich zu einer Religion verstehen sollten, welche solche Vertreterhatte. Darauf ließ Manoel mit Gewalt gegen die WiderstrebendenVorgehen. An Stricken, an Haaren und Bärten wurden sie aus derPferche zu den Kirchen geschleppt. Um dem zu entgehen, stürzten sichEinige aus den Fenstern und zerschmetterten ihre Glieder, Andererissen sich los und stürzten sich in Brunnen. In der Kirche selbsttödteten sich einige. Ein Vater breitete seinen Gebetmantel über seineSöhne und brachte sie und zuletzt sich selbst um. Manoel's grausigesVerfahren tritt noch greller hervor, wenn man damit das gegen dieMauren vergleicht. Auch sie mußten Portugal verlassen; aber ihrerAuswanderung wurde kein Hinderniß in den Weg gelegt, aus derRücksicht, damit es nicht die mohammedanischen Fürsten in Afrika undder Türkei an den unter ihnen wohnenden Christen vergelten sollten 2).Weil die Juden keinen Annehmer auf Erden hatten, weil sie schwachund hilflos.waren, darum erlaubte sich Manoel — welchen Geschichts-schreiber den Großen nennen — solche unmenschliche Gewaltthätig-keiten gegen sie.
Auf diese Weise sind viele eingeborene portugiesische und ein-gewanderte spanische Juden zum Christenthume geführt worden, dassie, wie die christlichen Zeitgenossen es selbst mit Beschämung erzählen,
1) Die einzelnen Züge der Grausamkeit gegen die Juden in Portugal hatnur llsgue (und nach ihm Joseph Kohen) a. a. O. III- ^o. 28. Seine Angabenkönnen nicht angczweisclt werden, da er sic von Augenzeugen, von seinen Ver-wandten, erzählen hörte. Die christlichen Quellen gehen rasch darüber hinweg.Osorius (a. a. O. p. 13 b) berichtet nur kurz: Rex suim rräeo ti.-rKrrrb-rt eu-xiclitrrts gentis illius rrcl dbristi rsÜAionem xeräuesnärrs, ut partim prrrsmiisallieieiutam, partim mrrlo eogenclam esss g'ucüorrret. Der Bischof Coutinhobemerkt (bei Heine a. a. O. Anhang II. 2. p. 180): Lt liest istrr non lusritprrrseisa sio, sum puAionibus in peetorrr satis tam violentrr kuit, guonirrinrsx voluit, äiosnclo, guoä pro surr äsvotions Iros Irreiedrrt ete. Bcrgl. Her-culano das. x. 126 Text und Note.
2) Osorius a. a. O. p. 14 b.