Druckschrift 
8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
Entstehung
Seite
364
Einzelbild herunterladen
 

364

Geschichte der Juden.

ein Gesetz, daß Juden nicht länger als drei Tage dort weilen dürften.Da die Schiffe, auf welchen die Juden weiter ostwärts geführt werdensollten, der Ausbesserung bedurften, so gestattete die Behörde, daß dieJuden einige Tage nicht in der Stadt, sondern nahe beim Molo solange weilen durften, bis die Schiffe wieder hergestellt sein würden.Gespenstern gleich stiegen sie aus den Schiffen, abgezehrt, bleich, hohl-äugig, und wenn sie sich nicht ein wenig, bewegt hätten, um ihremSchiffskerker instinktmäßig zu entkommen, so hätte man sie für ebenso viele Leichname halten können. Die ausgehungerten Kinder gingenin die Kirchen und ließen sich um einen Bissen Brod taufen, undChristen waren unbarmherzig genug, nicht nur solche Opfer anzunehmen,sondern sich mit dem Kreuze in der einen und mit Brod in derandern Hand unter die Juden zu mischen und sie solchergestalt zurBekehrung zu verlocken. Es war denen, welche beim Molo von Genualandeten, nur kurze Frist zum Aufenthalte zugemessen worden; dochzog sich ein Theil des Winters hin, ohne daß die Schiffe ausgebessertworden wären. Je länger sie nun daselbst verweilten, desto mehrverminderte sich ihre Zahl durch den Uebertritt namentlich der Jüng-linge und durch Plagen aller Art. Andere Städte Italiens mochtensie nicht einmal auf kurze Zeit ans Land steigen lassen, theils weilgerade damals ein Nothjahr war, und theils weil die Juden dieSeuche mit sich schleppten.

Die Ueberbleibsel von Genua, welche nach Nom gelangten, machteneine noch bitterere Erfahrung. Ihre eigenen Religions- und Stamm-genossen verschworen sich gegen sie, sie nicht zuzulassen aus Furcht,daß der Zuwachs neuer Ansiedler ihrem Gewerbe Schaden bringenmöchte. Sie schossen 1000 Ducaten zusammen, um sie dem damaligenPapste Alexander VI., jenem berüchtigten Scheusal, anzubieten, daß erden spanischen Juden keine Aufnahme gestatten möge. Dieser sonstlieblose Kirchenfürst war doch über diesen hohen Grad von Herzlosigkeitgegen die eigenen Genossen so sehr empört, daß er die Juden Nomssammt und sonders auszuweisen befahl. Es kostete daher der römischen

rrssribitur. Daraufhin behauptete Grüner, die Marranen hätten die Syphilisin Italien eingeschlcppt in einer Schrift inorbi 6aI1iei originss mri-rraiiloas.Diese Behauptung ist schon deswegen lächerlich, da doch die Marranen nicht ausSpanien ausgcwiesen wurden. Vergl. übrigens darüber die Schrift: zur Geschichteder Syphilis 1870 von R. Finkcnstein S. 88. Der Verfasser weist gründlichnach, daß die ältesten spanischen mcdicinischen Schriftsteller llugn ^.Iinsngr,Uetro kintor, Olaspur Durst lg. die Lustseuche, welche zuerst in Italien 1493grassirte, weder auf jüdischen, noch auf amerikanischen Ursprung zurück-führen.