Leon Medigo Abrabanel.
359
am Hafen Standquartier genommen, um die Auswanderer aufzunehmen,zu verpflegen, unterzubringen oder weiter zu befördern H. Ihr Vaterwar zwei Jahr vorher verschieden, vermuthlich vor Gram; denn seineTochter hatte sich taufen lassen").
Nach dem Tode des Königs von Neapel behielt sein, wenn ihmauch unähnlicher Sohn Alfonso II. den jüdischen Staatsmann Abrabanelin seinem Dienste und nahm ihn auch nach seiner Abdankung zu Gunstenseines Sohnes nach Sicilien mit. Abrabanel blieb diesem Fürsten auchin seinem Unglücke bis zuletzt treu (Januar 1494 bis Juni 1495 2).In Folge der Eroberung Neapels durch den schwachköpfig-ritterlichenKönig von Frankreich, Karl VIII., wurden die Glieder der FamilieAbrabanel auseinander gerissen und umhergeschleudert. Doch keinenderselben traf schwereres Herzeleid, als den ältesten Sohn Juda LeonMedigo (geboren um 1470, gest. um 1530). Er war am spanischenHofe so beliebt gewesen, daß man ihn nicht missen mochte und ihngern zurückhalten wollte — freilich als Christen. Zu diesem Zweckewurde ein Befehl ertheilt, ihn nicht von Toledo abreisen zu lassenoder sich seines einjährigen Sohnes zu bemächtigen, das Kind schnellzu taufen und solchergestalt den Vater an Spanien zu fesseln. JudaAbrabanel erhielt aber Wind von dem Anschläge gegen seine Freiheit,sandte daher sein Kind mit der Amme, „wie ein gestohlenes Gut"heimlich nach der portugiesischen Grenze; er mochte aber nicht in demLande, wo seinem Vater der Tod gedroht hatte, eine Zuflucht suchen,sondern begab sich mit ihm nach Neapel. Sein Argwohn gegen denKönig von Portugal rechtfertigte sich nur gar zu bald. Sobald JoSo II.erfahren hatte, daß Abrabanel's Enkel in seinem Lande weilte, ertheilteer den Befehl, das Kind als Geißel zurückzuhalten und es nicht mitden andern spanischen Juden abziehen zu lassen. Der kleine Isaak sahwohl seine Eltern und Großeltern nie wieder. Er wurde getauft undals Christ erzogen. Der Schmerz des Vaters über den lebendigen Todseines Sohnes war grenzenlos; er ließ ihn bis zu seiner letzten Stundekeine Ruhe, noch Trost finden und erpreßte ihm ein Klagelied, dasden Leser wehmüthig zu stimmen geeignet ist H. Doch was bedeutetder Schmerz über ein einzelnes Kind gegen das Weh, welches dieTausende aus Spanien ausgewiesener Juden traf?
*) Gcdalja Jbn-Jachja Schalschclet.
2) Vcrgl. Uaslrllir V. p. 156, wo citirt wird: PN'-!' PN NNZ!»
.1NL'Ü Iw'll bri 7INN NN'VNV N2.N linr pwnm (.na'rH im'w '1 PMN 7.1 . . .
Vcrgl. Revues äes ütnäes I. g. XII 245.
3) Chaskitu's Biographie des Abrabanel a. a. O- und Carmoly a. a. O-lieber Leon Medigo Abrabanel, Carmoly p. 57.