Druckschrift 
8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
Entstehung
Seite
332
Einzelbild herunterladen
 

332

Geschichte der Juden.

mit Levi b. Gerson schmollte er, weil er Manches im Judenthumphilosophisch gedeutet und dem Wunderglauben nicht unbedingt ge-huldigt hat. Wie die Stockgläubigen seiner Zeit, wie JosephJaabez, war er der Ueberzeugung, daß die Demüthigung und Ver-folgung, welche die Juden in Spanien betroffen, in der Ketzerei ihrenGrund hätten, die hier und da unter ihnen aufgetaucht seiH. Habenaber die überfrommen deutschen Juden, die keine Ahnung von derketzerischen Philosophie hatten, weniger gelitten?

Nur kurze Zeit war es Abrabanel vergönnt, sein Lieblings-studium zu pflegen, der Schriftsteller wurde bald wieder vom Staats-manne verdrängt. Als er die Feder ansetzen wollte, um die Bilderreiheder judäischen und israelitischen Könige zu beleuchten, wurde er anden Hof Fernando's und Jsabella's berufen, um ihm das Finanzfachanzuvertrauen -). Das spanische Heer hatte in den Kriegszügen gegendie Mohammedaner von Granada in dem Gebirge der Axarguia einefürchterliche Niederlage im Frühjahr 1483 erlitten. Der Schatz warleer, auch die Subsidien, welche der Papst Sixtus für diesen sogenanntenheiligen Krieg geliefert hatte, waren zerronnen. Fernando wolltedie Waffen gegen die Ungläubigen ruhen lassen, nur die Königinwar voll Eifer, dem Kreuze den endlichen Sieg über den Halb-mond zu verschaffen. Aber woher die Gelder zu der neuen KriegK-rüstung nehmen? Da sollte der jüdische Finanzmann aus Portugalhelfen. Die Staatseinkünfte müssen unter seiner Hand sehr gut ge-diehen sein; denn während der acht Jahre seiner Verwaltung (März1484März 1492) ist diese nie tadelhaft befunden worden. Mitseiner Klugheit und seinem Rathe stand er dem Königspaare bei.Abrabanel erzählte selbst, daß er sich in dem königlichen DiensteReichthümer erworben und Grundbesitz angekauft habe, und daß ihmvon Seiten des Hofes und der ersten Granden hohe Ehren erwiesenwurden. Wie unentbehrlich muß er ihnen gewesen sein, daß sie, diehochkatholischen Fürsten, unter den Augen des giftigen Torguemadatrotz der kanonischen Gesetze und der wiederholten Cortes-Beschlüsse,keinen Juden zu irgend einem Amte zuzulassen, dem jüdischen Finanz-minister den Nerv des Staatslebens anvertrauen mußten!

So viel Rücksicht scheint der Hof auf Abrabanel und anderejüdische Finanzmänner genommen zu haben, daß er zum Erstaunen vonFreunden und Feinden der Juden die Uebertretung der kanonischenBeschränkungen, welche Päpste, Concilien und Cortes-Versammlungstrengstens eingehalten wissen wollten, unbeachtet ließ. Papst Sixtus IV.

-) Das.

Einl. zum Commcntar der Könige.