Sixtus IV. und die Inquisition.
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wenn es ihnen gelungen war, nach Rom zu entkommen, vom päpstlichenStuhle — für klingende Münze — Absolution erhielten und nureiner leichten und geheimen Buße unterworfen wurden, so sah dasKönigspaar seine Bemühungen, das. Geschlecht der Marranen zuvertilgen, den Glauben zu reinigen und besonders sich ihrer Güter zubemächtigen- öfters auf eine unangenehme Weise vereitelt. Der Hof drangdaher darauf, den Papst zu bewegen, einen Appellationsrichter inSpanien selbst zu ernennen, damit die Jnquisitionsprocesse nichtaußerhalb des Landes von neuem anhängig gemacht werden könnten,wo sich allerhand ungünstige Einflüsse geltend machten. Sixtus gingauch darauf ein und bestellte (25. Mai 1483) den Erzbischof von Sevilla,.Jüigo Manrique, als obersten Richter für die Fälle, wenn dieVerurtheilten auf Revision ihres Processes antrügen H. Diese Maßregelwar aber von sehr zweifelhaftem Nutzen für die Unglücklichen. Dennwelche Gründe konnten sie gegen ihre Verurtheilung geltend machen,da die Processe heimlich betrieben wurden, und sie weder Anklägernoch Zeugen kannten? Schwerlich hat das Jnquisitionsgericht ihnenZeit gelassen, die Appellation anzustellen. Zwischen dem Urtheilssprucheund dem Schauspiel des ^.uto äa-Us lag nur eine kurze Spanne.Noch eine andere Maßregel des spanischen Hofes hieß der Papst gut,welche ebenfalls geeignet war, den Angeklagten von vornherein jedeHoffnung auf Freisprechung abzuschneiden. Getaufte Juden oderNeuchristen, welche von solchen abstammten, hatten nämlich auchBischofssitze inne, und diese waren geneigt, zu Gunsten ihrer unglück-lichen, verfolgten Stammgenossen aufzutreten. Da erließ der Papstin derselben Zeit eine Bulle.: daß kein Bischof, Vicar oder höhererGeistlicher, welcher von Juden abstammte, sei es von väterlicher odermütterlicher Seite, als Richter in Ketzerprocessen fungiren dürfte").Von dieser Ausschließung war nur ein Schritt zur Verurtheilung derGeistlichen von jüdischer Abkunft zum Scheiterhaufen! Ein Inquisitorvon Valencia, Namens Christoval Galvez, wurde vom Papste seinesAmtes entsetzt und zwar wegen Unverschämtheit und Gottlosigkeit.War dieser Ketzerrichter zu strenge oder zu milde gewesen? Aus demUmstande, daß der König Fernando selbst auf dessen Amtsentsetzungeifrig gedrungen hatte, sollte man das Letztere folgern dürfen 3).
Wenn der Papst Sixtus auch nicht anderweitig als verworfeneCreatur, als Wollüstling, Habgieriger und Gewissenloser gebrandmarktwäre, der die von ihm geschändeten Knaben zu Bischofs- und
*) Lolstiv, a. a. O. 472—74.
") Das. x. 475.
->) Das. 473.