Der Quemadero in Sevilla.
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jedem Tage wuchs die Zahl der Schlachtopfer, so daß die StadtSevilla einen eigenen Platz (Tablada) zum beständigen Scheiter-haufen hergeben mußte. Er wurde im Verlaufe die Brandstätte (slHuswaäoro) genannt. Vier große mißgestaltete Bilder von Prophetenbezeichnen den Ort, der sich bis auf den heutigen Tag zur Schmacherhalten hat.
Mehr als drei Jahrhunderte sah man das entsetzliche Schauspiel,wie der Rauch verkohlter Unschuldigen zum Himmel stieg. Dieerste Blutthat, welche die herzlosen Molochpriester „Glaubensakt"(arcko äa ls) nannten, wurde mit einer feierlichen Procession einge-weiht, dabei hielt der fanatische Dominikaner Prior Alonso de Ojedadie Einweihungsrede. Die Pest, welche gleich darauf in Sevilla wieauch in anderen Gegenden Spaniens wüthete, zwang zwar die Priestervon Menschenopfern die Stadt zu verlassen, unterbrach aber ihre Arbeitnicht. Denn in dem Städtchen Aracena, wohin sie Zuflucht ge-nommen hatten, zündeten sie ebenfalls Scheiterhaufen an und ver-brannten dreiundzwanzig MarranenH. Nach Sevilla zurückgekehrt,verbrannten sie auf dem Quemadero (2.6. März) abermals siebzehnNeuchristen, die geständig waren, dem Judenthum im Geheimen treugeblieben zu sein, darunter drei Weltgeistliche und fünf Mönche undeinen angesehenen Prediger Namens Sabariego^). Bis AnfangsNovember, also in kaum einem Jahre wurden in Sevilla allein280 Marranen dem Feuertode überliefert^). Es waren solche, welchedas Judenthum bis zum letzten Augenblicke bekannten und ihren Abfallvon der Kirche nicht verleugnet hatten. Bemerkenswerte Treue undStandhaftigkeit! — denn es waren Enkel derer, welche bei demGemetzel von 1391 oder bei den Massentaufen durch Vicente Ferrerzum Christenthum übergetreten waren.
Aber nicht einmal der Tod gewährte Sicherheit vor der Wuth desheiligen Officium. Die Schergen der Religion rissen die Gebeine derals jüdische Ketzer ^) gestorbenen Neuchristen aus den Gräbern, ver-brannten sie, confiscirten ihr Vermögen aus den Händen ihrer Erbenund verdammten diese zur Ehrlosigkeit und zur Armuth, daß sie nie-mals zu einem Ehrenamte gelangen dürften. Welch ein weiter Spiel-raum für die Habsucht des Königs. Wenn man einem reichen Erben
H Bei ^rnaäoe III 251. Note.
-) Das. p. 251.
°) Das. 152 k. im Texte. Die Zahl, welche bei -Imaäor fehlt, gicbtLlorentc I x. 160.
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