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8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
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Geschichte der Juden.

nicht beikonnnen konnte, so brauchte man nur gegen den verstorbenenVater Beweise aufzustellen, daß er judaisirt habe, und das Vermögenverfiel zum Theil dem königlichen Fiscus und zum Thcil demJnquisitionstribunal. Die entflohenen Marranen wurden im Bildeverbrannt.

Dieses grauenerregende Blutmerk machte selbstverständlich dasgrößte Aufsehen in Spanien und erregte besonders Schrecken undFurcht im Herzen aller Neuchristen. Wer war gegen Anklagen undVcrurtheilung gesichert? Es gab indeß menschlich fühlende Christen,welche über diese Grausamkeit empört waren. Ein angesehener Ge-schichtsschreiber Fernando del Pulgar mißbilligte diese unerbittlicheGlaubenswuth. Dadurch wurde der Gedanke angeregt, den Marraneneine Frist zu gewähren, innerhalb welcher sie sich freiwillig stellen, ihreetwaigen Vergehungen bekennen, Aussöhnung mit der Kirche erflehenund demzufolge vor der Untersuchung und dem Tode geschützt seinsollten.

Mit jenem bekannten mildsüßlichen Tone, welcher hinter derTaubensanftheit die Schlangenklugheit und das Schlangengift so ge-schickt verbirgt, forderten in Folge dessen (Juli 1482) Miguel Morillo undseine Genossen die Neuchristen auf, welche sich des Rückfalls ins Juden-thum schuldig gemacht hatten, sich bis zu einer gewissen Zeit freiwilligzu stellen. Dann würden sie Sündenvergebung (Absolution) empfangenund auch ihr Vermögen behalten dürfen. Das war das Edikt derGnade, das aber auch den drohenden Finger zeigte, wenn dieMarranen die Frist verstreichen lassen und durch Andere als abge-fallen vom Glauben denuncirt werden sollten, die ganze Strengedes kanonischen Gesetzes gegen Ketzerei und Abfall würde dann anihnen angewendet werden. Die Leichtgläubigen folgten in großerMenge der Aufforderung und erschienen mit zerknirschten Mienen vorden Blutrichtern, bereuten ihre schrecklichen Sünden, daß sie judaisirthatten, und erwarteten Absolution und unangefochtene Existenz. Aberdie Inquisitoren stellten ihnen hinterher die Bedingung, die Personenihrer Bekanntschaft nach Namen, Stand, Wohnung und sonstigenZeichen anzugeben, von welchen sie wüßten, daß sie judaisirendeApostaten wären. Sie sollten ihre Aussagen durch einen Eid be-kräftigen. Man verlangte von ihnen im Namen Gottes, daß sie An-geber und Verräther werden sollten, der Freund an dem Freund, derBruder an dem Bruder, der Sohn an dem Vater. Wenn derSchrecken, verbunden mit der Zusicherung, den Verrathenen den Namenihrer Verräther zu verschweigen, die Zunge der Schwachsinnigen löste,so hatte das Tribunal vor der Hand eine Liste von Ketzern, mit denen