Die Marranen in Spanien.
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In den Augen der katholischen Geistlichen galten die meisten Marranen,wenn nicht alle, als judaisirende Christen oder als apostasirendeKetzer. Auf den Ursprung ihrer Bekehrung, die durch Gewalt mitFeuer und Schwert bewerkstelligt worden war, achteten sie nicht; jenehatten einmal das Sakrament der Taufe empfangen, und somit seiensie und ihre Nachkommen verurtheilt, in dem christlichen Glauben zuverharren, so widerwärtig es ihnen auch sein mochte. Eine vernünftigeGesetzgebung hätte ihnen freigestellt, zum Judenthum zurückzukehrenund allenfalls, um das Aergerniß zu vermeiden, sie gezwungen auszu-wandern. Allein die Vertreter der Kirche waren damals voller Ver-kehrtheit. Das, was die freieste Regung der Seele erfordert, solltedurch Gewaltmittel erzwungen werden — zum größten Lobe Gottes.
Der von mehreren Seiten angeregte Plan, ein Ketzergericht ein-zusetzen, zuerst von Juao II. oder vielmehr von Alvaro de Luna(o. S. 190), hatte unter dem schlaffen König Heinrich IV. keine festeGestalt erhalten, zumal die Forderung bis dahin immer nur formulirtwar, daß die Inquisition über die verdächtigen Marranen von denBischöfen geleitet werden solle, mehrere Neuchristen aber selbstBischofswürden inne hatten und daher die Sache lau betrieben odergar Hintertrieben. Da nahmen die Dominikaner den Plan auf undbetrieben ihn mit dem diesem Orden eigenen Feuereifer und beharr-licher Zähigkeit. Sie zielten darauf hin, daß das Tribunal aus ihrenOrdensmitgliedern zusammengesetzt sein sollte und zwar unabhängigvon den Bischöfen. Sie beabsichtigten damit ihrem Orden Macht undUeberlegenheit über die anderen zu verschaffen und zugleich die Be-rechtigung zu erlangen auch hohe Kirchenfürsten vor das Tribunal zuziehen. Von dem neuen Königspaar versprachen sich die Dominikanereinen großen Erfolg für ihr Vorhaben, von Jsabella, welche ihreBeichtväter zu ihrer Sclavin gemacht hatten, und von Don Fernando,welcher zwar nicht so übermäßig kirchlich gesinnt, aber gern dieReligion zum Deckmantel seiner Habsucht machte. Man erzählte sich,daß der Beichtvater Thomas de Torquemada einst der In-fantin Jsabella ein Gelübde abgedrungen habe, wenn sie zum Throngelangen würde, ihr Leben der Vertilgung der Ketzer zu weihen, zum
ranen zur Observanz der jüdischen Riten verführt und ihrem Abfall vomChristenthum Vorschub geleistet hätten, und führt eine lange Reihe von Einzel-heiten auf: lnstrn^suäo los (ä los rnnlos Cbrlstiuuos) su las orsseueiass ssrsmoulas . . . peoeui-uncio äs oirsumiäor ri sllos s ä sus lifos . . . .votilleauäolss los passuas . . . äauäoles s lsvauäolss äs su pauo ariuros oaruss rmrsrtas son sersmouias sie. Diese lange Schilderung ist jeden-falls übertrieben und ist wohl dem Königspaare von den Inquisitoren insinuirtworden. (Dieses Edikt bei lz.maäor III. p. 604.)