Dreizehntes Kapitel.
Die Inquisition in Spanien.
Die Marrancn, ihre Anhänglichkeit ans Judenthum und ihre unüberwindlicheAbneigung gegen das Christcnthum. Die Dominikaner lüstern nach Menschen-opfern; Älonso de Ojcda, Diego de Merlo und Pedro de Solls. DerKatechismus für die Marrancn. Eine polemische Schrift gegen den Katho-licismus und die Despotie wirkt günstig für die Einführung der Inqui-sition. Das Tribunal wird eingesetzt. Miguel Morillo und Pedro de San-Martin die ersten Inquisitoren. Der marranische Dichter Montoro Ropcro.Das erste Jnquisitionsgcricht in Sevilla. Die Artikel, um die apostasircndenKetzer zu erkennen. Die Proccssion des Auto-da-Fö. Die Menge derAngeklagten und Hingerichteten. Der Papst Sixtus IV. Anfangs für,dann gegen die Inquisition, bald für Milde, bald für Strenge. DieInquisition unter dem ersten Generalinquisitor Thomas de Torqucmada;seine Constitutionen. Die Marrancn in Aragonien. Vcrschwörungsplangegen den Inquisitor Arbucs. Sein Tod schlägt zum Unheil der Marrancnaus. Verfolgung gegen die Verschworenen und ihre Beschützer. Zunahmeder Schlachtopfer. Der Proccß gegen zwei Bischöfe von jüdischer Abkunft,de Avila und Aranda. Jüdisches Blut in den Adern des spanischen Adels.
( 1474 — 1492 .)
Ein jüdischer Dichter H nannte Spanien die Hölle für dieJuden. Und in der That haben giftgeschwollene Calibans in Mönchs-kutten, die Erfinder der Inquisition, das schöne Land dazu gemacht.Alles Elend, allen tragischen Schmerz, den nur die ausschweifendstePhantasie eines Dichters ersinnen kann, allen Jammer, der das Herzdes Menschen in seinen Tiefen zu erschüttern geeignet ist, haben dieseUnmenschen im Gewände der Demuth über die Juden der hesperischenHalbinsel gebracht. Auch diese Calibans sprachen: „Verbrennet nurihre Bücher, denn darin liegt ihre Kraft." Nicht blos den Leib, auchden Geist der Juden wollten die Dominikaner tödten. Freilich habensie das Leben des Judenthums nicht tödten können, es gelang ihnennur, das paradiesische Spanien allmählich in einen großen Kerker um-zuschaffen, in dem nicht einmal der König frei war. Das Jnquisitions-tribunal, das die Mönche geschaffen, hat den Juden tiefe, aber nichtnnheilbare Wunden geschlagen. Sie sind gegenwärtig bald vernarbt,Spanien kränkelt aber noch heute an den Wunden, welche die Jnqui-
H Samuel Usquc in der Einleitung zu seinem Dialogon: ^ oouso-1s,Lsi8S.