280 Geschichte der Juden.
ob ihrer Unthaten und verfuhren seitdem minder hart gegen neueAnkömmlinge H.
Für den Bau der großen Synagoge und für die ArmenJerusalems wurde indeß fortwährend und überall durch Sendbotengebettelt. Ein solcher Sendling Namens Mose Vierundzwanzig?)war auch nach Constantinopel gekommen und hatte bei dem Groß-rabbinen Mose Kapsali die Erlaubniß nachgesucht, durch Predigtenin den türkischen Gemeinden die Reichen für die Jerusalemer Spendenzu gewinnen. Da aber damals Krieg zwischen dem türkischen SultanBajasid II. und dem ägyptischen Chalifen Melek Eschref Kai'tba't(1487—1488) bestand, und Geldausfuhr von der Türkei nach denägyptischen Provinzen, also auch nach Palästina, verboten war, sodurfte und mochte Mose Kapsali die Geldsammlung für Jerusalemnicht unterstützen. Ohne Empfehlung von dem Großrabbinen fandder Jerusalemer Sendbote keine Theilnahme in den türkischen Ge-meinden und war dadurch gegen denselben gereizt. Obwohl MoseKapsali sich sonst seiner warm, annahm und ihm Genugthuung ver-schaffte, als ihn der junge Prediger Elia Misrachi einst von derKanzel weisen ließ, so gab sich Mose Vierundzwanzig dennoch zumHelfershelfer einer Jntrigue gegen den Chacham Baschi her. Vier ränke-süchtige und gewissenlose Männer, welche voller Ingrimm gegenMose Kapsali waren: Elia der Vorsteher (karnas der Deutschen?),Aaron b. Abaji, Isaak Altirno und Ascher aus Köln,erfanden schwere Anschuldigungen gegen denselben, als habe er inEhesachen leichtsinnige und neuerungssüchtige Entscheidungen getroffen.Die Anklagepunkte waren: Er habe einem jungen Mädchen, das miteinem jungen Manne vermittelst einer Feige die Ehe eingegangenworden war, gestattet, sich anderweitig ohne Scheidebrief zu verheirathenund habe das erste Ehegelöbniß für null und nichtig erklärt, weil ereine Anordnung getroffen habe, eine Ehe dürfe nur in Gegenwart vonzehn Zeugen eingegangen werden. Ferner habe Kapsali die kinderloseFrau eines getauften Juden von der Pflicht der Schwagerehe ent-bunden. Dann habe er in einem Scheidebriefe den Ehemann stattunter seinem bekannten Namen unter einem unbekannten aufführenlassen und dadurch die Scheidung formell ungültig gemacht. Endlichhabe er die Braut eines Mannes, der zum Christenthum übergegangcnwar, ohne weiteres als ledig erklärt. Diese Anklagepunkte setzten dievier Gegner Kapsali's in einem Schreiben auseinander und übergabenes dem jerusalemischen Bettler mit dem Aufträge, es Joseph Kolon
-) Das. x. 213.
-) Vcrgl. über alles Folgende Note 7.