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Geschichte der Juden.
und die eingesessenen Alten, welche das Regiment führten, legten diemeisten Lasten auf die Deutschen i). Sie trieben es so weit, daß amEnde für sie selbst die nachtheiligsten Verwirrungen entstanden. Dieallzubelasteten bedrückten Deutschen wichen aus der Stadt, welcheihnen, statt Seelenruhe, Unheil brachte, und ließen meist ihre Weiber undKinder, von Mitteln entblößt, zurück, so daß nach und nach die Zahlder hilflosen Frauen die der schaffenden Männer bei weitem überstieg.Von dreihundert Familienvätern waren kaum siebzig zurückgeblieben ^).Dadurch stieg die Armuth der Zurückgebliebenen ins Maßlose; dieVorsteher waren daher genöthigt, zu den gewissenlosesten Mitteln zugreifen, die Steuern zu erschwingen, um sich das Wohlwollen dermohammedanischen Behörden zu erhalten. Sie verkauften Hospitäler,Synagogen-Ornamente, Bücher und selbst die Thorarollen und zwaran Christen 3), welche ein gutes Geschäft machten, da für eine Thora-rolle aus Jerusalem in Europa eine hohe Summe gezahlt wurde.Der Druck von Seiten des Jerusalemer Vorstandes trieb einen Judendazu, den Turban zu nehmen, und eine Mutter, welche sich an ihrenStammgenossen wegen der Kränkungen an ihrem Sohne rächen wollte,weihte ein Haus, das sie im Vorhofe der großen Synagoge hatte,zum Bau einer Moschee. Die mohammedanische Behörde nahm sofortBesitz davon, und als die Moschee fertig war, hieß es: Die Synagogesei ihnen im Wege, denn die Mohammedaner könnten wegen derringsum stehenden jüdischen Häuser keinen Zugang zur Moschee finden.Als nun zufällig das Haus eines Juden einstürzte und einen Wegeröffnete, wollten die Mohammedaner den Wiederaufbau desselben ver-hindern. Es kam zum Proceß und zum erbitterten Streite, und amEnde wurde auf Anreizung eines Scheichs die Synagoge zerstört(um 1473—1475). So genossen die Eingesessenen die bittere Fruchtihres Uebermuths. Da aber damals auch im Oriente, wie auch imchristlichen Europa Alles für Geld zu erlangen war, so bewirkte derVorstand von Jerusalem vom Sultan eine neue Untersuchung inKairo; einige Richter und der Scheich wurden bestraft, und der zer-störte jüdische Tempel durfte wieder aufgebaut werden. Dadurchöffnete sich für die Habgier der „Alten" eine wahre Goldmine. Send-
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2 ) Obadja da Bcrtinoro, Reisebericht a. a. O. S. 209, 213.
-) Das. 209, 214.