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Geschichte der Juden.
seien. Es seien nämlich Figuren von Tauben oder Engeln ausder zerstochenen geweihten Oblate geworden. Daraufhin hatte derBischof von Passau eine große Menge Juden hinrichten lassen, einigeglimpflich durchs Schwert, andere auf Scheiterhaufen und noch anderemit glühenden Zangen. Und „zur Ehre Gottes" und zum Andenkenan diese Unmenschlichkeit wurde eine neue Kirche erbaut (Frühjahr1478^). Ein Jude und eine Jüdin aus Regensburg waren derTheilnahme angeklagt und ebenfalls in den Kerker geworfen worden.Alle diese Vorfälle wurden dem Kaiser von verschiedenen Seiten mit-getheilt, um in ihm Fanatismus rege zu machen. Allein er bliebbei seiner Ueberzeugung von der Unschuld der Regensburger Judenund erließ einen neuen Befehl: die wegen Hostienschändung Ein-gekerkerten weder zu martern, noch zu tödten, sondern mit diesen wiemit den andern Gefangenen zu verfahren. Vergebens schickte derRath Abgeordnete über Abgeordnete an den kaiserlichen Hof und botdie damals hohe Summe von 4000 Gulden. Es erschien ein kaiser-licher Beamter mit einem Mandate, die eingekerkerten Juden binnendrei Wochen dem Kaiser auszuliefern bei Androhung der Reichsachtund des Verlustes aller Privilegien und einer Geldstrafe von1000 Mark Goldes (März 1478).
In Folge dieser ernsten Sprache zerfiel der Rath selbst inzwei Parteien: die Eine für den Widerstand, die Andere für Nach-giebigkeit. Doch wurde der spießbürgerliche Mittelweg eingeschlagen,die Sache zu verschleppen. Die Judenfeinde rechneten auf den baldigenTod des Kaisers. „Dann würden sie sich die Juden durch einenGewaltstreich vom Halse schaffen, sie aus der Stadt treiben und ihreHäuser schleifen oder auch sich aneignen" fl. Es wurden neue Unter-handlungen gepflogen, neue Vorschläge gemacht. Ein JntriguantRamung, der bei der Verfolgung der Juden in Trient und Passaueine Nolle gespielt hatte, wurde gewonnen, den Kaiser umzustimmen.Aber auch diese Machination scheiterte an des Kaisers Festigkeit. Ererklärte rund heraus: „Mit Fug und Ehren mag und will ich dieJuden nimmermehr tödten lassen, und die von Regensburg dürfen inder Verachtung und in dem Ungehorsam, in dem sie so lange verharrtsind, dieselben nimmermehr richten" fl.
So mußte denn der Rath nach langem Sträuben in den saurenApfel beißen und eine schriftliche Versicherung ausstellen, die gefangenen
i) Quellen bei Arctin a. a. O. S. 38. S- De. Eck's JudcnbüchlcinsVerlegung D 3 b. fg.
'fl Gemeiner a. a. O. III. S. 603—605. fl Das. S. 607.