Neue Blutanklagen.
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reisten hin und her und waren zu großen Geldbewilligungen ermächtigt,um des Kaisers Einwilligung zu erlangen, an den Juden die Strafevollstrecken zu dürfen. Aber der Kaiser war so aufgebracht gegenNegensburg, daß er die Abgeordneten gar nicht zur Audienz' ließ.
Der Rath setzte sich daher mit dem päpstlichen Legaten Alexanderin Verbindung, um durch dessen Vermittlung aus der Ungelegenheitgezogen zu werden. Eine Appellationsschrift an den Papst wurdeausgearbeitet, um ihn gegen die Juden einzunehmen. Aber diese warennicht säumig, auch ihrerseits eine Schrift dem päpstlichen Legatenzu überreichen, worin sie ihre Unschuld an dem Kindermorde darlegtenund sich darauf beriefen, wie der päpstliche Stuhl ihre Glaubens-genossen öfter gegen Ungerechtigkeit in Schutz genommen habe'). Auchlegten die Juden dem Kaiser Friedrich eine Schrift vor, worin siedurch angebliche Urkunden nachwiesen, daß ihre Vorfahren lange, langevor Christi Geburt in Deutschland und Regensburg gewohnt, folglichfür Jesu Kreuzigung nicht zu büßen haben sollten"). Der LegatAlexander nahm indeß Partei für die Regensburger Christen undsuchte auf den Kaiser judenfeindlich einzuwirken ^). Dieser fuhr nichts-destoweniger fort, sich der Juden kräftig anzunehmen.
Als die städtischen Abgeordneten nach vieler Bemühung unddurch reiche Bestechung einmal zur Audienz zugelassen wurden unddabei die Juden mit der Bemerkung anschwärzten: „Es wäre
vor Gott und Menschen nicht zu verantworten, wenn die Judenmehr begünstigt und schonender behandelt werden als die Christen"(d. h. daß man den Letztern nicht einmal gestatten wollte, unschuldigeJuden hinrichten zu lassen), würdigte sie der Kaiser nicht einmaleiner unmittelbaren Antwort, sondern ließ ihnen durch seinen Kanzlererwidern: daß es in Betreff der Regensburger Juden bei seinemBefehle verbleibe, die Verhafteten loszulassen. Es war sonst keinWort vom Kaiser heraus zu bringen^). Friedrich, sonst so schlaff,zeigte sich bei dieser Angelegenheit überraschend fest. Es warensogar neue kirchenschänderische Anklagen gegen die Juden erhobenworden. Sie wurden beschuldigt, bei Passau Hostien von einemChristen gekauft und gemartert zu haben, wobei Wunder geschehen
') Das. S. 589—91, S. 594.
-) Lüi'istiaim8 Ostrot'ruuaus oder Hofmann bei Arctin, Geschichte derJuden in Bayern S- R. I's.drlairis, 6oäex xssnäexiAraxlius vovi Tssta-nrsvti 111. x. 497 enthält einen ähnlichen pseudcpigraphischcn Brief der Tole-daner Gemeinde an die von Jerusalem zur Zeit Christi gegen Jesu Vcr-urthcilung.
") Gemeiner a. a. O. S. 602.
I Das. S. 595.