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8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
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Geschichte der Juden.

des Mordes eines Christenkindes angeklagt (März 1476). Städtische,herzogliche und bischöfliche Commissarien leiteten die Untersuchung.Auf die Folter gespannt, bekannten die Unglücklichen nicht blos dasihnen zur Last gelegte Verbrechen, sondern sagten auch aus, daß siezu verschiedenen Zeiten mehrere Kinder unmenschlich gemartert undgetödtet hätten. Das Geld für die gekauften Kinder sei aus der Ge-meindekasse geliefert worden. Das Blut hätten sie gesammelt undentfernten Freunden einen Fingerhut voll davon oder in Leinwandgetränkt zum Geschenk gemacht. Solches Blut tränken die Juden inWein gemischt am Passa-Abend oder strichen es auch auf den Oster-kuchen als Mittel gegen den Aussatz, oder um eine gesunde Gesichts-farbe zu erzielen. Die Angeklagten gaben selbst an, wo sie die Ge-beine der ermordeten Kinder verscharrt hätten, und sie wurden richtigan der bezeichnten Stelle gefunden ^). Dies alles glaubten die Wahn-bethörten oder stellten sich, als ob sie es glaubten. Indessen behauptetenunbefangene Christen: der Rath habe ausgegrabene Kindergebeine aneinen bestimmten Ort begraben lassen und sie dann als Beweise fürdas Verbrechen geltend gemacht 2 ). In Folge der durch die Foltererpreßten Aussagen wurden nicht nur noch elf Juden zu den sechseingezogen und in den Proceß verwickelt, sondern auch die ganzeGemeinde in Haft gehalten. Wachen standen Tag und Nacht an denvier Thoren des Regensburger Judenguartiers und ließen Niemandenhinaus oder herein. Das ganze Vermögen sämmtlicher RegensburgerJuden nahmen die Commissarien und Richter in Beschlag und schriebenAlles auf. Ein entsetzliches Gericht erwartete die Unglücklichen.

Indessen fiel dieser Proceß, der zu seiner Zeit viel Aufsehenmachte, ebenso sehr zum Nachtheil der Bürger, wie der Juden aus.Gleich beim Beginn der Untersuchung hatten mehrere Juden Regens-burg verlassen, sich nach Böhmen und zum Kaiser begeben und alleMittel aufgeboten, um ihre unglücklichen Brüder zu retten ^). DieJuden wußten aber, daß, um ihre gerechte Sache an's Licht zu bringen,vor Allem Geld, viel Geld nöthig sein würde. Zu diesem Zwecketraten mehrere bayerische Nabbinen zu einer Synode in Nürnbergzusammen wahrscheinlich unter Vorsitz des damaligen RabbinersJakob Margoles^) und beschlossen, daß sämmtliche bayerischeGemeinden und jedes einzelne nicht ganz verarmte Mitglied einenverhältnismäßigen Beitrag geben sollte, um die Summe zur Befreiungder Regensburger Angeklagten zusammen zu bringen. Die Synodemachte mit Recht geltend, daß diese so durch und durch erlogene An-

>) Das. S. 567575. 2 ) Das. S. 580.