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8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
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Leiden der Juden in Negensburg.

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Anderes übrig, als sich mit dem kaiserlichen Fiscus unter der Handabzufinden. Dadurch riefen die Juden wieder den Haß des Herzogsund der Geistlichkeit wach. Die Steuerzahlung fiel natürlich denNeichen zu, und diese machten Geldgeschäfte. Je mehr sie belastetwurden, desto mehr waren sie auf Zinsnahme angewiesen. Der Bischofund der Herzog, feindseligen Geistes gegen die Juden, verboten nunmit einem Mal das Zinsgeschäft und erklärten die christlichen Schuldnerihrer Verpflichtungen Kapital nebst Zinsen ledig. Vergebensberiefen sich die jüdischen Kapitalisten darauf, daß der Kaiser eineBulle vom Papst ausgewirkt habe, die ihnen das Zinsnehmen gestatte.Vergebens erließ der Kaiser Friedrich an den Bischof und an denRath Befehle,die Juden nicht so hart zu halten, sondern nach altemHerkommen mit ihnen zu verfahren" (August 1475); die Geistlichkeitwar stärker als das schwache Reichsoberhaupt. Der Rath wollteebenfalls den Juden beistehen, aber seine Mitglieder wurden wegenihrer Theilnahme für die Juden in den Bann gethan H.

Nun kam die Nachricht von der angeblichen Marter des KindesSimon von Trient nach Negensburg und goß Oel in's Feuer. DerBischof Heinrich war recht glücklich, eine Gelegenheit gefunden zuhaben, die Juden ungestraft und im Interesse des Glaubens marternund verfolgen zu können. Auf seiner Reise nach Rom hatte er vondem Trienter Kindermorde etwas erfahren; auf seiner Rückkehr wollteer in Trient selbst die Proceßakten in Augenschein genommen und ausder Aussage des getauften Regensburger Juden Wolfkan (o. S. 259)die Ueberzeugung geschöpft haben, daß einige Regensburger Judenacht Jahre vorher ein Christenkind gekauft und abgeschlachtet hätten.Bei seiner Rückkehr war es für den Bischof eine hochwichtige An-gelegenheit, den Rath zu bestimmen, gegen die von Wolfkan bezeichntenJuden einen hochnotpeinlichen Proceß einzuleiten. Ein großer Theildes Rathes und der judenfeindliche Kämmerer Rothscherf gingengerne darauf ein, zumal in Aussicht stand, daß durch die herbeizu-führende Verbannung der Regensburger Gemeinde der Stadt dasJudenquartier zufallen würde. In spießbürgerlicher Aengstlichkeitwollte sich indessen der Rath zuerst vergewissern, ob der Herzog Ludwigihn gegen etwa daraus entspringende Ungelegenheiten schützen würde,und holte zu dem Zwecke die Erlaubnis; von ihm ein, gegen dieJuden verfahren zu dürfen. Dieser Erzjudenfeind bewilligte natürlichnoch mehr als von ihm verlangt wurde, und so wurden vor der Handsechs Regensburger Juden eingezogen, in den Kerker geworfen und

>) Gemeiner a. a. O. S. 528. Note 1045, S. 539, 547.