Kaiser Friedrich III.
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schuldigung des Kindermordes sämmtliche bayerische Gemeinden inMitleidenschaft ziehen würde. Die Nürnberger Gemeinde trug aberScheu, den Bann gegen Gemeindemitglieder zu verhängen, welche dieBeisteuer versagen sollten, weil sie dann bei geschehener Anzeige vonihrer Obrigkeit in Strafe genommen worden wäre. Sie wandte sichdaher an den angesehensten Rabbiner Italiens, an Joseph Kolon(o. S. 253), um ihrem Beschlüsse Nachdruck zu geben. Dieser erließsofort ein Rundschreiben an sämmtliche bayerische, möglich auch anandere deutsche Gemeinden, ihren Beitrag nach Schätzung der Nürn-berger Synode nicht zu versagen und sich das Leid ihrer Brüder inRegensburg zu Herzen zu nehmen ^).
Indessen bedurfte es nicht so großer Anstrengung, um die Summezusammen zu bringen. Wo es die Rettung ihrer Brüder galt, warendie Juden, so sehr sie auch das Geld liebten, nicht engherzig. Zwarführte die Verwendung der böhmischen Edelleute, in deren Schutz sichviele Regensburger Juden begeben hatten, zu Gunsten ihrer Schütz-linge zu keinem Erfolg"). Aber viel wirksamer waren die Geldmittel,welche die Vertrauensmänner der Regensburger Gemeinde beim KaiserFriedrich und seinen Näthen anwandten. Man muß diesem sonst soschlaffen Kaiser Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß er in diesemProcesse viel Thatkraft und Beharrlichkeit gezeigt hat. Er warnämlich von der Lügenhaftigkeit der Blutbeschuldigung gegen die Judenso fest überzeugt, daß er sich durch keine Vorspiegelung irre machenließ. Er erließ ein Handschreiben an den Regensburger Rath, dieeingekerkerten Juden von Stunde an frei zu lassen und die Haftihres Vermögens aufzuheben (April 1476). Da der Rath deinBefehle keinen Gehorsam leistete, so erließ er ein zweites Handschreiben„daß er mit großem Mißfallen bemerke, daß die Juden Regensburgsnoch nicht in Freiheit gesetzt sind" (10. Mai ^). Dem Rath schien esaber unmöglich, darauf einzugehen, ohne sein Ansehen blos zu stellen.Auch eiferten die Predigermönche selbst in Gegenwart des kaiserlichenCommissärs von der Kanzel gegen die Juden, so daß zu befürchtenstand, wenn die Juden freigelassen würden, der fanatische Pöbel tödtlicheAngriffe auf sie machen würde. Der Rath entschuldigte sich daherbeim Kaiser und schob Alles auf den Herzog Ludwig, dem die Judenverpfändet wären, und der auf seine Rechte über sie eifersüchtig sei.Kaiser Friedrich bestand indeß um so beharrlicher auf die Freilassungder Juden, weil es zugleich galt, sein erschüttertes kaiserliches Ansehenbei den Fürsten und Freistädten zu befestigen.
*) Vcrgl. Note 5. ") Gemeiner das. S. 570. ^ Das. A, 57g