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Geschichte der Juden.
Bischof und dem Pöbel. Darauf erfolgte wieder eine Mahnung vomKaiser, mit der Hinrichtung von Israel Bruna zu warten, bis er zumReichstage nach Augsburg kommen würde. Damit war der Rathnoch weniger zufrieden; er fürchtete nämlich bei dieser Gelegenheitseine Gerichtsbarkeit über die Juden zu verlieren. Er entschloß sichdemzufolge zu einem entschiedenen Akte. Der Rath ließ den AnklägerHans Vayol auf die steinere Brücke führen, dort stand der Scharf-richter bereit; der Tod wurde ihm angekündigt, und er wurde an-gegangen, nicht mit einer Lüge in's Jenseits überzugehen. Der ver-stockte Sünder blieb indeß bei seiner Anschuldigung gegen die Judenim Allgemeinen, gestand jedoch ein, daß der Rabbiner Israel Brunaunschuldig an dem ihm zur Last gelegten Kindermord sei. In Folgedessen und auf eine neue Zuschrift des Kaisers wurde Vayol verbranntund der Rabbiner der Haft entlassen. Er mußte aber Urfehdeschwören, daß er keine Rache für die langen Leiden nehmen würde *).Der arme, schwache Greis, er sollte sich rächen!
Kaum war dieses Unglück von der Regensburger Gemeinde ab-gewendet, so traf sie ein anderes mit noch weit stärkerer Wucht. Kaiser-Friedrich hatte einen thatkräftigen Kriegeszug gegen den kühnen HerzogKarl von Burgund unternommen; dazu brauchte er natürlich Geld.
Die Juden, die lebendigen Goldminen, mußten wieder herhalten, aus-gebeutet zu werden. Der Gemeinde Negensburg wurde eine außer-ordentliche Kriegssteuer von 4000 Gulden aufgelegt ^). Ob sie imStande war, diese Summe zu leisten, danach wurde nicht gefragt.
Und wenn sie auch zahlungsfähig gewesen wäre, so durfte sie doch
nicht zahlen; denn der Bürgerrath und der Herzog Ludwig waren
beide entschieden dagegen, jener weil er fürchtete, daß dem Kaiser da-durch ein Rechtsanspruch erwachsen möchte, Kriegskontribution vonBürgern der Reichsstadt überhaupt nach Belieben zu erheben, dieser,weil er das Vermögen der Juden als ihm verpfändet betrachtete.Die Juden mußten also die Zahlung verweigern. Der Kaiser brauchteaber Geld, und so sandte er einen Commissär nach Regensburg, mitder Vollmacht, bei beharrlicher Weigerung der Juden ihre Synagogenzu schließen, das Judenviertel zu sperren und die ganze Gemeinde inHaft zu halten 3). Sie war in einer argen Klemme, zahlte sie nicht,so reizte sie den Zorn des Kaisers, und zahlte sie, so stand ihr dasSchlimmste von Seiten des Herzogs bevor. Es blieb natürlich nichts
Gemeiner a. a. O. lieber das Datum der Urfehde 14ten April vcrgl.
Note 5.
2) September 1474.
°) Das. S. 521. Note 1155. S. 557f.