262
Geschichte der Juden.
Ix
Ir-
Negensburger Gemeinde den „dritten Pfennig" von ihrem Vermögen„nach altem gutem Brauche"). , Der Herzog Ludwig vonBayern-Landsberg und Pfalzgraf bei Rhein, der Reiche genannt,machte dagegen geltend: daß die Regensburger Gemeinde so wie diebayerischen Juden überhaupt, dem Kaiser nichts zu leisten hätten,indem sie der Kaiser Ludwig der Bayer vor mehr denn hundertJahren den Landesherzögen um 46,000 Gulden verpfändet hätte.Ihr Eigenthum sei daher diesen, aber nicht dem Kaiser verpflichtet-).Der Herzog Ludwig war zwar ein Todfeind der Juden, hatte sie ausseinem Gebiete verjagt und hätte sie gerne auch aus Regensburg aus-gewiesen (o. S. 188), wenn er die Befugniß dazu gehabt hätte.Allein ihr Vermögen wollte er doch nicht in des Kaisers Säckelfließen lassen, zumal er mit ihm in Feindschaft lebte. Außerdemmachte das Geschlecht der Kamerauer Ansprüche auf die Regens-burger Juden geltend 8), auch der Rath der Stadt und allenfalls auchder Bischof*). In Folge dieser widersprechenden Ansprüche undStreitigkeiten waren die Regensburger Juden keineswegs auf Rosengebettet. Es kamen bald von der einen, bald von der anderen SeiteBefehle an den Rath, die Juden oder die Vorsteher oder ihrenNabbinen —- damals der vielgeprüfte Israel Bruna — so langezu verhaften, bis sie, durch den Kerker mürbe gemacht, sich zurZahlung entschlössen ^). Der Rath der Stadt suchte sie zwar zuschützen, aber nur so lange keine Fährlichkeit für die Bürger in Aus-sicht stand, und so lange die Juden nicht den christlichen ZünftlernConcurrenz machten °).
Um den Plackereien. und den herzlosen Willkürlichkeiten zu ent-gehen, gab ihnen Klugheit den Rath ein, sich unter den Schutz deseinen oder des andern hussitischen Edelmanns oder Kriegers zu be-geben, um solchergestalt mehr Sicherheit zu genießen, als unter desKaisers sogenannter Schirmherrschaft?). Denn die raschen Hussitenwaren noch immer von den schwerfälligen Deutschen gefürchtet. Ob-wohl sie ihren ketzerischen Fanatismus halb und halb abgelegt undsich unter katholische Könige begeben hatten, so flößte doch der Helden-mut der Kelchner noch immer den Katholiken und namentlich derGeistlichkeit einen großen Schrecken ein. Die Folge bewies, daß dieJuden klug gehandelt hatten, den Schutz der Hussiten anzurufen. Eswurde nämlich in Regensburg ein Bischof gewählt — Heinrich —
*) Das. III. S. 224. ") Das. S. 205, 225, 569, 579.
°) Das. S. 66, 255. *) Das. S. 580 Note 1052 und S. 566.
5) Das. S. 252, 354, 528; vergl. Note 5. °) Das. S. 415.
-) Das. S. 561, 570.