Die Blutanklage in Trient.
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die Gebeine des Simon verehren und veranstalteten Wallfahrten zuder für sie erbauten Kirche. Der Judenhaß in Deutschland erhieltdadurch neue Nahrung. Die Bürger von Frankfurt a. M. ließen einStandbild an der Mainbrücke, die nach Sachsenhausen führt, an-bringen, worauf ein gemartertes Kind und die Juden in scheußlicherStellung mit dem Teufel in Verbindung dargestellt wurden. Zweischlechte Verse waren dabei angebracht:
„So lang Trient und das Kind wird genannt.
Der Juden Schelmstück bleibt bekannt"*).
Die lügenhafte Nachricht von dem Kindesmorde in Trient ver-breitete sich wie ein Lauffeuer durch viele Länder der Christenheitund verursachte den Juden neues Leidwesen, aber nirgends in sohartnäckiger Weise, wie in der ehrenfesten Reichsstadt Regens bürg.Die Qualen der Juden von Regensburg in dieser Zeit geben zugleichein anschauliches Bild von dem damaligen kläglichen Zustand Deutschlands.
Die jüdische Gemeinde dieser Stadt, eine der ältesten in Süd-deutschland, galt im Allgemeinen nicht blos als sehr fromm, sondernauch als sehr sittlich. Seit Menschengedenken wurde kein eingebornerJude dieser Stadt wegen eines sittlichen Vergehens vor Gerichtgestellt 2). Es war eine besondere Ehre, mit Regensburger Juden ver-schwägert zu sein. Die Gemeinde wurde als die gelehrteste und alsdie Mutter aller übrigen deutschen Gemeinden angesehen ^). Sie hatteverbriefte Freiheiten von Alters her, welche die Kaiser für die Leistungder Kronengelder beim Regierungsantritt zu erneuern pflegten. DieRegensburger Juden wurden halb und halb als Stadtbürger anerkanntund bezogen gleich den Christen als Miliz die Waches. Man könntefast sagen, daß sich die bayerischen Fürsten und Körperschaften umdie Regensburger Juden rissen — freilich um Geld von ihnen zuzapfen. Sie waren daher in der letzten Hälfte dieses Jahrhundertsein wahrer Zankapfel geworden. Zunächst beanspruchte das Rechtauf sie der Kaiser Friedrich III., der, im Reiche und selbst in seinenErbländern von allen Seiten beschränkt, mit dem Reichthume derJuden seine leere Kasse füllen wollte. Als er daher nach seinemNömerzuge als Kaiser gekrönt war, verlangte er auch von der
per ui'bss Italias turdas aoiuxssol jussit. Bei Eck a. a. O. Auch JosephKohen a. a. O- x. 80.
*) Abbildung und Beschreibung bei Schudt: jüdische Denkwürdigkeiten II.S. 256. Wagcnseil a. a. O. S. 109.
2) Gemeiner a. a. O. III. S. 382 aus Urkunden.
°) Das. S. 617 Note 1294.
*) Gemeiner I. S. 449; II. S. 14, 167; III. S. 361.