gelassen wurde, büßten die Juden mit den Bürgern, welche Dietheranhänglich waren, schwer. Sie wurden aus der Stadt gejagt^).Unter den Ausgewiesenen waren zwei gründliche Talmudisten, zweiVettern, Juda Menz und Mose Menz, von denen der ersterenach Italien wanderte und in Padua das Rabbinat erhielt, der letzterezuerst in Deutschland blieb und dann nach Posen übersiedelte 2 ).Auch aus andern Gegenden Deutschlands strömten Rabbinen in Folgevon Ausweisungen oder Bedrückungen nach Italien, so N' Liwa(Juda) Landau und sein Sohn Jakob nach Pavia, Abrahamder Deutsche (aus Sachsen) nach Bologna und mehrere Anderes.Wegen ihrer überlegenen talmudischen Kenntnisse erhielten die ein-gewanderten Deutschen die bedeutendsten Rabbinatssitze in Italien undverpflanzten ihre Einseitigkeit und Beschränktheit unter die Juden desLandes, welches damals alle Anstrengungen machte, sich von denmittelalterlichen Fesseln zu befreien.
Die angesehensten Rabbinen Italiens wurden damals JudaMenz und Joseph Kolon, und gerade diese beiden waren derfreien Regung in der Denkweise über Judenthum am feindseligstenund traten den Trägern der freien Richtung nachdrucksvoll entgegen. -—Joseph Ben-Salomo Kolon (blühte um 1460—1480^) war zwarder Abstammung nach ein Franzose — dessen Vorfahren aus Frank-
reich ausgewiesen worden waren — war aber in der deutsch-talmudischenSchule herangebildet 5). Er wohnte mit seinen Verwandten in Chambsry,bis die Juden auch aus Savoyen verjagt wurden v). Mit Vielen
seiner Leidensgenossen wanderte Joseph Kolon nach der Lombardeiund verschaffte sich seine Subsistenzmittel durch Unterricht für Knaben^);dann wurde er Rabbiner von Bologna und Mantua. Mit einem
*) Vergl. darüber Schaab: diplomatische Geschichte von Mainz S. 120 bis124, 127. Die Ausweisung geschah 29. Oct. 1461. Vergl. Note 5.
-) Vergl. Note 5.
0) Vergl. Rsspp. Mose Menz Nr. 97 — 99. Lespp. Joseph Kolon,
Nr. 45, 93.
Das erste Datum folgt aus Codex de Rosst Nr. 134. Im Jahre 1466hatte I. Kolon bereits einen Jünger. Das letztere Datum folgt aus demStreite mit Mose Kapsali; vergl. Note 7. Kolon's Biographie im OrientJahrg. 1848, Litbl. col. 365 sf. und 879 ff. ist sehr mager gehalten, reichhaltigerGüdemann, Geschichte des Erzichungswcsens III. 2 f.
°) Seine französische Abstammung folgt aus mehreren Stellen seiner Lospx.Uo. 92, 170, 172.
°) Kolon spricht Nr. 71, 115, 159 seiner Roopp. von Savoyen und ein-mal: .11 miiv: vioi. Von der Judenverfolgung in
Savoyen 1471 refcrirt Joseph Kohcn Urnsll IiA-Uaella p. 79.
') Ders. Kesxi>. Uo. 72.