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Geschichte der Juden.
die aber ihm, dem bescheidenen, demüthigen Manne, überlästig war.Die niedrigen Juden rissen sich um ein Kleidungsstück von ihm;eine Frau, welche so glücklich war, sein Hemd zu waschen, glaubte ihrerSeligkeit sicher zu sein^).
Eine entschieden feindselige Stellung gegen die philosophischeForschung und ihre Träger in Italien, gegen Elia Del-Medigound Messer Leon, nahmen die aus Deutschland dahin aus-gewanderten Rabbinen ein. Mit ihrer aufrichtigen, aber einseitigenund übertriebenen Frömmigkeit warfen diese, wohin sie das herbeGeschick zersprengt hat, einen düstern Schatten. Neue Stürme, welcheüber die deutschen Gemeinden hereingebrochen waren, hatten vieledeutsche Juden, die Unglücklichsten ihres Stammes, in das Landjenseits der Alpen geschleudert. Unter dem Kaiser Friedrich III., derein halbes Jahrhundert hindurch die frechste Reichsverletzung vonSeiten der herrschsüchtigen reichsunmittelbaren Fürsten, der räuberischenJunker, der entsittlichten Geistlichen, der selbstsüchtigen kleinlichenstädtischen Patricier mit erstaunlichem Gleichmuthe ansah, unter diesemunempfindlichen Kaiser mußten viele deutsche Gemeinden zum öfternden Leidenskelch kosten. Er war den Juden keineswegs feindlichgesinnt, er erließ im Gegentheil öfter Dekrete zu ihrem Schutze.Allein seine Befehle blieben meistens todte Buchstaben, und seineLässigkeit in Handhabung der Negierung ermuthigte die Bösen nurzu den grausigsten Schandthaten. Auch nur die Mauern ihrer Stadtzu verlassen, war für die deutschen Juden mit Gefahren verbunden").Jedermann war ihr Feind und lauerte ihnen auf, um entwederseinen Fanatismus oder seine Habsucht an ihnen zu befriedigen.Jede Fehde, die in dem angefaulten deutschen Reichskörper bald hier,bald da ausbrach, brachte den Juden Unglück. Der Streit zweierErzbischöfe um die Kurwürde von Mainz, des Diether von Isen-burg und des Adolph von Nassau, der von beiden Seiten undvon dem päpstlichen Hofe mit frechster Gemeinheit geführt wurde, hatteauch für die deutschen Juden traurige Folgen. Obwohl der Elftere sielaunenhaft behandelte, das eine Mal sie begünstigte, das andere Maldie strengsten Gesetze, wie „gegen hartnäckige Teufel" erließ und dann— für große Summen — seine feindseligen Befehle wieder zurück-nahm, so hingen die Mainzer Juden doch mehr an Diether alsan seinem Gegner. Als nun Adolph durch Verrath in die Stadt
*) Das. p. 196, 198. Vergl. über die Juden Sicilicns und ihre SchicksaleZunz zur Geschichte S. 495 ff., 517 ff. Güdemann Geschichte des Erziehungs-weseus der Juden in Italien 268 fg.
2) Joseph Kolon Usspp. dlo. 21.