Die Juden in Sicilien.
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Die gebildeten Juden Italiens, selbst solche von Alrabi's Schlage,bildeten, wie überall, nur eine geringe Minderzahl; die meisten der-selben dagegen verhielten sich gleichgültig, manche sogar feindlich gegendie Wissenschaften. Selbst ein milder Mann, von liebenswürdigemCharakter, Obadja da Bertinoro aus Citta di Castello (inder Romagna, blühte um 1470 —1520 H, dem die finstere, fastmönchische Ueberfrömmigkeit der deutschen Juden und der Wahn-glaube zuwider waren, selbst dieser war dem philosophischen Forschenabgeneigt. Bertinoro, der in der Schilderung seiner Reise vonItalien nach dem heiligen Lande einen offenen Blick zeigt, so vielBildung besaß, daß er die morgenländischen Juden für Barbarenhielt und Bemerkungen machte, in welchen Ländern und Städten erschmutzig oder reinlich gekleidete Juden antraf, und wo es schöneFrauen gab, der so duldsam war, daß er nicht blos Karäer, sondernauch Samaritaner als Juden betrachtete, er hatte nur Verwünschungengegen Aristoteles, die Philosophen und alle diejenigen, welche sich mitPhilosophie beschäftigen 2). .— Am tiefsten in Unwissenheit versunkenwaren die Juden Siciliens, wo sie das schwerste Joch tragen mußtenund sogar zur Frohnarbeit beim Hafenbau und in den Schiffswerftenherangezogen wurden. Vermöge ihres Bildungsmangels und ihres ge-müthlichen Verkehrs mit den Christen in duldsamen Zeiten hatten sieVieles von den Christen angenommen, und ihre Religion hatte einenkatholischen Anstrich. Die Juden von Palermo — damals ungefähr850 Familien zählend — hielten mit äußerster Strenge auf die Ritualien,waren aber keineswegs so gewissenhaft in Betreff der Sittlichkeit undKeuschheit. Wein von Christen zu trinken, galt in ihren Augen als eineTodsünde, die meisten Bräute pflegten aber in schwangerem Zustandeunter den Brauthimmel zu treten. Obadja da Bertinoro, dessenPredigten bei seiner Anwesenheit in Palermo sie in Begeisterungversetzte, zollten sie eine Verehrung, wie die Katholiken ihren Heiligen,
*) Obadja da Bcrtinoro's interessante zwei Sendschreiben oder Rcisebe-schrcibung, jüngst von Senior Sachs und Neubauer cdirt (vcrgl. Note 6), gebeneinige Data. Er reiste von ib'a-vp -uv d. h. eitts. cli Oastsllo, Ivislsev 1486 abund da er seinen Commcntar zur Niselln». noch in Italien begonnen hat, sofolgt seine Blüthezcit von selbst daraus. Daß er nicht 1530, sondern viel frühergestorben ist, hat bereits Conforte (Ivors lla-I)orot p. 301>) bemerkt. Seinevon Urbanität und Toleranz zeugenden Bemerkungen Scndschr. S. 196, 201,206, 213. Er Vers, außer dem vielfach cdirtcn Commcnt. zur Llisollua. einenSupcrcommcntar zu Raschi's Pcntatcuch-Cvmment. gedr. Pisa 1810 —und einen homiletischen Commcntar zu Ruth nn u-a-m, Krakau sins anno olIvLo im sechzehnten 8aseul.; vcrgl. darüber die Bibliographen.
2) Bcrtinoro's Sendschreiben p. 215 und Mischna-Commentar zu iz.bot V.Ende.