Del-Medigo's Religionsphilosophie.
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keinen Anspruch ans Glaubwürdigkeit. Denn selbst an die Worteeines Propheten, wenn er sich nicht als solcher, sondern als Menschund Weiser ausgesprochen hat, dürfe man den Prüfstein der Halt-barkeit anlegen, ob sie begründet, d. h. mit der Vernunft überein-stimmend seien oder nicht, um wie viel mehr dürfe die Agada derPrüfung unterworfen werden H. Die agadischen Sentenzen mögeneinen tiefen Gedankenkern bergen, aber maßgebend für den Glaubenseien sie keineswegs. Wolle man Glaubensartikel aufstellen, so dürfeman auf die Agada, als etwaigen Ausfluß der Tradition, keine Rück-sicht nehmen. Noch viel weniger Werth habe die sogenannte Geheim-lehre der Kabbala; sie habe erst den Beweis zu führen, ob sie wirk-lich das sei, d. h. Ueberlieferung und uralten Ursprungs, was ihrsehr schwer fallen dürfte.
Das Judenthum enthalte allerdings neben den Gesetzen auchgewisse Glaubenslehren, wie die Einheit und Unkörperlichkeit Gottes,seine vergeltende Gerechtigkeit, der Glauben an Wunder, welche Gottfür die Offenbarung seiner Lehre und das israelitische Volk gethan,die Hoffnung auf einen zukünftigen Erlöser und an die Auferstehung(oder Unsterblichkeit). Durch den Inhalt dieser Grundgedanken desJudenthums unterscheide es sich von andern Religionen, namentlichvom Christenthume. Denn diese Glaubenslehren enthalten keinen
logischen Widerspruch in sich, wie etwa die Dreieinigkeit, noch thunsie den menschlichen Grundanschauungen oder gar der Sinnes-wahrnehmung Gewalt an, wie der Kirchenglaube von der Hostien-wandlung. Die Grundlehren des Judenthums seien vielmehr derArt, daß sie einerseits dem schlichten Menschenverstände einleuchtenund andererseits auch den philosophisch gebildeten Geist befriedigen,ihm wenigstens keinen Anstoß geben"). Del-Medigo tritt der bisdahin unter den denkenden Juden gangbaren Ansicht entgegen, als seies religiöse Pflicht, sich der Grundwahrheiten des Judenthums durchphilosophische Erkenntniß zu vergewissern, damit der Glaube festeUeberzeugung werde. Höhere Erkenntniß zu erwerben, meinte er,könne nicht Jedermann zur Pflicht gemacht werden, und auch derjüdische Denker soll nicht die Grundlehren beherzigen, weil sie wahr,sondern weil sie geoffenbart seiend). An den Geistesbegabten ergeheallerdings die Anforderung, sich seinen Glauben klar zu machen, undder jüdische Glaube sei der Art, daß er das philosophische Denkennicht zu fürchten habe. Zwar sei jene Annahme nicht richtig, daßJudenthum und Philosophie sich nach allen Seiten hin deckten und
r) Das. p. 58—58.
"-) Das. p. 13—16.
2) Das. p. 2—8.