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8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
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Geschichte der Juden.

kleine, aber inhaltsreiche SchriftPrüfung der Religion" (Uoobinabda-vat i) aus, welche zugleich einen tiefen Einblick in seinen Gedanken-gang gewährt.

Del-Medigo, obwohl ein Bewunderer Maimuni's, ging voneinem andern Grundsätze aus, als dieser große Religionsphilosoph.Nach seiner Annahme beruhe das Judeuthum keineswegs aufGlaubenslehren (Dogmen), vielmehr auf religiösen Hand-lungen. Dadurch unterscheide es sich wesentlich einerseits vonandern Religionsformen und andererseits von der Philosophie-). DieNeligionsgesetze, welche das Judenthum vorschreibt, seien entweder ansich sittlicher Natur oder haben zum Zwecke, eine sittliche Gesinnungzu erzeugen und zu erhalten, wovon eben das Glück des Einzelnenwie das der Familie und des Staates bedingt sei^). Da der gesetz-liche Theil des Judenthums einen selbstständigen (nicht, wie dieNeligionsphilosophen annehmen, blos untergeordneten) hohen Werthbesitze, so habe auch das mündliche Gesetz oder die talmudische Ueber-.lieferung ihre Berechtigung. Denn selbst menschliche Gesetze bedürfender Erläuterung und Auslegung, um wie viel mehr göttliche, die dochjedenfalls dunkler gehalten sind^). Der Einwand: Wenn die Ueber-lieferung göttlicher Natur märe, wie denn eine so große Meinungs-verschiedenheit darüber denkbar sei, wie sie im Talmud über jedeeinzelne Gesetzbestimmung vorliegt, dieser Einwand erschien del Medigonicht erheblich. Denn die Meinungsverschiedenheit sei eine Folge desUnglücks, welches den jüdischen Stamm betroffen hat, weil dadurch dieEinheit der gesetzgebenden und gesetzauslegenden Behörde (einesSynhedrin) zersprengt und das Gedächtnis; der Ucberliefernden getrübtworden sei. So lange ein solches berechtigtes Collegium vorhandenwar, sei keine so weit auseinandergehende Meinungsverschiedenheitvorgekommen 6). Indessen sei nicht Alles, was im Talmud in Formder Ueberlieferung auftritt, als solche zu nehmen: denn öfter werdenGesetze durch eigenthümliche Schriftauslegung abgeleitet, was ebennicht Tradition, sondern menschliche und darum fehlbare Erklärung sei §).Noch weniger können die im. Talmud enthaltenen agadischen Elementeals Offenbarung betrachtet werden; es seien vielmehr lediglich Aus-sprüche solcher Männer, die zugleich auch Träger der Ueberlieferungwaren. Insofern die Agada der Vernunft widerspricht, habe sie

*) Zuerst erschienen in der Sammlung von Samuel Aschkenasi,

Basel 1619 und dann von Reggio, Wien 1833. Vollendet wurde das Werk18. Dsdot 5251 -- 81. Dcc. 1490.

") Das. Wiener Ausgabe x. 27, 71.

°) Das. x. 66. Das. p. 2934. Das. p. 86. °) Das.