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Geschichte der Juden.
empfand. Der Bischof von Pavia, weit entfernt, sie dafür zu bestrafenoder sich ihrem Schritte zu widersetzen, verwendete sich vielmehr fürsie bei ihrem Gatten, redete ihm zu, sie eilends aus dem Kloster ab-zuholen und legte für sie ein günstiges Zeugniß ab, damit sie vonihrem Manne, der ein Ahronide war, nicht nach dem jüdischen Gesetzegeschieden zu werden brauchte H. In demselben Jahre hatte inRegensburg ein boshafter Mensch, der Vorbeter Kalmann, dasGelüste Christ zu werden. Er verkehrte viel im Kloster, besuchte dieKirche und wurde endlich vom Weihbischof ins Haus genommen undin der christlichen Religion unterrichtet. Um sich bei den Christenbeliebt zu machen, verleumdete er seine Glaubensgenossen, daß sielästerliche Schriften gegen das Christenthum besäßen. Aber auchKalmann bereuete später den Schritt, besuchte wieder heimlich dieSynagoge, verließ endlich während des Weihbischofs Abwesenheit dessenHaus und kehrte zu den Juden zurück. Die Geistlichen von Regens-burg spieen Feuer und Flammen gegen ihn, stellten ihn vor dasProbstgericht, und er wurde angeklagt, daß er so lange die Kirche,Gott und die Gottesmutter habe lästern wollen. Namentlich wurdeihm eine Aeußerung zur Last gelegt: er würde, wenn getauft, nur solange Christ bleiben, bis er auf freien Fuß gesetzt werde. Daraufhin wurde Kalmann") zum Tode verurtheilt und ertränkt.
Ueberall, wo den Juden nur ein wenig Luft und Licht gelassenwar, regte sich die in ihnen schlummernde Triebkraft, und die italienischenJuden konnten sie um so eher entfalten, als sie bereits früher, zurZeit des Immanuel und des Leone Romano, einige Culturstufen er-klommen hatten. Sie nahmen daher regen Antheil an dem geistigenAufschwung und an der Wiedervcrjüngung der Wissenschaften, welchedas Zeitalter der Medicäer so sehr verklärt haben. Jüdische Jüng-linge besuchten die italienischen Universitäten und eigneten sich einehöhere Bildung an ch. Von der neuerfundenen Kunst Gutenbergs
machten die italienischen Juden zuerst Gebrauchs), und es entstanden
') Das. Xo. 160; die Zeit 1470.
ch Gemeiner, Regensburgische Chronik III. p. 456, ebenfalls 1470.
Schreiben des Jacob Provcnzali im Sammelwerke Dibro Ods.ella.mim
p. 73.
lieber die ersten hebe, typographischen Osficincn vergl. de Rosst Lm-nsles Ilöllrseo-t^poArsplliei. Die bis jetzt bekannten ersten hcbr. Druckwerkesind von 1475—76. Ein hcbr. Gedicht auf die Erfindung der Typographieträgt das Jahr 1474—5: '.n 'w irarb ew-.n o:ni >2 nre-'a
1 "^ (vergl. Orient. Litbl. Jahrg. l840 eol. 414). Der erste jüdischeTypograph war Abraham Ben-Gar ton in Reggio, vergl. i"a» - 1 ^»»I. x. 94.