Lage der Juden in Italien.
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und der scholastischen Lehrstätten frische Luft einströmen zu lassen,weckte auch das Interesse an dem biblischen und jüdischen Schriftthum.Tonangeber der höheren italienischen Kreise verlegten sich darauf, sichin die hebräische Sprache, wie in die griechische einführen zu lassen.Sie suchten dazu jüdische Literaturkundige auf. Auch um sich indie Philosophie einweihen zu lassen, brauchten strebsame Personenjüdische Lehrer und Uebersetzer. Der wunderliche Graf Pico deMirandola, der nicht minder wunderliche Cardinal Egidio deViterbo und der kluge Cardinal Domenico Grimani, welcherein gewichtiges Wort in einer die Judenheit betreffenden brennendenFrage zu ihren Gunsten gesprochen hat, und mehrere andere vonklangvollen Namen, welche sich in das jüdische Schriftthum ver-tieften, mußten zu den Füßen jüdischer Meister sitzen. Diese Er-scheinung bahnte die Annäherung der italienischen Kreise an jüdischean und vermittelte ein trautes Verhältnis; zwischen den Anhängern derKirche und denen der Synagoge. Als ein reicher Jude, Leo in Crema,zur Hochzeit seines Sohnes glänzende Festlichkeiten veranstaltete, dieacht Tage dauerten, betheiligten sich sehr viele Christen dabei, tanztenund belustigten sich zum Aerger der Kirchlichen U- Vergessen schiendie Bulle, welche erst jüngst der Papst Nicolaus V. erlassen hatte,worin er sämmtliche Privilegien seiner Vorgänger zu Gunsten derJuden aufgehoben, sie der allerdemüthigsten Beschränkung unterworfenund namentlich jeden Umgang, jedes Zusammenleben und die Zu-ziehung jüdischer Aerzte aufs strengste verpönt hatte. Statt derkanonisch vorgeschriebenen Judenflecken trugen die jüdischen Doctorenein Ehrenkleid, eine Art Ornat, ganz gleich den Christen diesesStandes, und die den Höfen nahestehenden Juden trugen goldeneKetten und andere Ehrenzeichen^). Das Verhältniß der Stellung derJuden in Italien zu der anderer Länder vergegenwärtigen zweiähnliche Vorfälle zu gleicher Zeit in Italien und Deutschland, dieeinen verschiedenen Ausgang nahmen. — In Pavia hatte eine Familien-mutter aus Unzufriedenheit mit ihrem Gatten den Willen kund ge-geben, zum Christenthum überzutreten. Sie war bereits in einemKloster untergebracht, wo sie die Täuflingsvorbereitung empfangensollte. Der Vikar des Bischofs, so wie andere Geistliche, waren schonsehr geschäftig, ihr das Seelenheil beizubringen, als sie plötzlich Reue
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2 ) Joseph Kolon Usspx. Uo. 88, 149.
Graetz, Geschichte der Juden. VIII.
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