Die Juden in Italien vor der Vertreibung der Judenaus Spanien.
Lage der Juden in Italien. Die jüdischen Banquicrs, Jechiel von Pisa undAbrabanel. Die jüdischen Acrztc: Gugliclmo di Portalconc. Pflege derWissenschaft unter den italienischen Juden. Die ersten hebräischen Druckereienin Italien. Messer Leon und Elia del Medigo; sein Berhältniß zu Picodi Mirandola. Jochanan Aleman und die Schwärmerei der Christen fürdi Kabbala. Del Mcdigo's Religionssystcm. Aaron Alrabi. Obadja daBertinoro. Die Juden auf der Insel Sicilien. Die nach Italien cin-gewandcrtcn deutschen Rabbinen: Joseph Kolon, sein Charakter und seineFehde mit Messer Leon. Juda Mcnz gegen Elia del Medigo. Der Letzteremuß Italien verlassen. Die Mönche feindselig gegen die italienischenJuden. Bernardinus von Fcltrc und seine giftigen Predigten gegen dieJuden.
( 1474 — 1492 .)
Die spanischen Juden hätten die angeborne Scharfsicht und dieaus der Erfahrung gewonnene Klugheit verleugnen müssen, wenn sienicht eingesehen hätten, daß ihre Lage für die Dauer unerträglich seinwerde. Viele von ihnen richteten daher zeitig ihren Blick auf diejenigenLänder, deren Bewohner zu jener Zeit in ganz Europa am günstigstenfür die Juden gestimmt waren. Italien und das dem Kreuze ent-rissene byzantinische Reich waren damals die duldsamsten Länder. InItalien, wo man die Verworfenheit der Päpste und der Priesterschaftam besten kannte und täglich von deren selbstsüchtigen Bestrebungenzu leiden hatte, waren die Kirche und ihre Diener ohne nachhaltigenEinfluß auf die Bevölkerung. Der Weltverkehr der blühenden undreichen Handelsrepubliken, Venedig, Florenz, Genua, Pisaund anderer, hatte die gläubige Beschränktheit zum Theil überwundenund den Blick erweitert. Die Interessen der Börse hatten die Inter-essen der Kirche in den Hintergrund gedrängt. Geld und Einsichtwaren auch an denen geschätzt, welche nicht das katholische Glaubens-bekenntniß ableierten. Nicht blos der Handelsstand, sondern auch dieihm fernstehenden Dynasten brauchten Geld, um Condottieren mitihren Söldnerschaaren zu den täglich sich erneuernden Fehden unter-