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8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
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Gemetzel der Marranen in Cordova. 235

haben vergessen machen wollen. Ehe zwei Jahrzehnte vergangenwaren, wurde er zu seinem Schrecken daran erinnert. Denn diePartei der Fanatiker, welche von der pietistischen Gesinnung derInfantin Jsabella die Förderung ihres tief angelegten Planes hofften,die Christen von jüdischer Abstammung aus ihren hohen Stellungenzu verdrängen oder sie ganz und gar verschwinden zu lassen, machtekein Hehl daraus und begann offen gegen sie vorzugehen und sie alsfalsche Christen erscheinen zu lassen. In Cordova wurde dieser Planoffen betrieben und führte tragische Scenen für die Neuchristen herbei.Einige Geistliche stifteten unter Begünstigung des Bischofs und andererGroßen eineBrüderschaft" (Ooklackis,) unter dem NamenchristlicheLiebe", aus welcher sie sämmtliche Neuchristen, auch die hochgestelltenweltlichen und geistlichen Würdenträger, geradezu ausschlossen. Umdiese Brüderschaft einzuweihen, wurde eine feierliche Procession (Märzoder April 1473) mit dem Bilde der Gottesmutter, ihrer Schutz-patronin, aufgeführt. Die Straßen und Plätze, durch welche dieProcession ihren Weg nehmen sollte, waren glänzend mit Blumen-gewinden und Teppichen geschmückt. Die Neuchristen ließen aber, umgewissermaßen einen stillen Protest dagegen zu erheben, ihre Häuserungeschmückt und verschlossen dieselben, worin die große Mengeschon eine Verhöhnung des Gegenstandes ihrer göttlichen Anbetungsah und gereizt war. Plötzlich stieß am Hause eines der reichstenMarranen ein Schmied ein Wuthgeschrei aus. Was war geschehen?Es hieß, ein junges Mädchen, Tochter eben dieses Neuchristen, hätteeine unsaubere Flüssigkeit auf das Marienbild gegossen. Der Schmiedzündete mit der Fackel für die Procession unter dem Rufe:Es lebeder Gottesglaube" das Haus an, und die Menge wiederholte tausend-stimmig diesen Ruf, zündete die Häuser anderer Neuchristen an,plünderte, raubte und richtete ein Blutbad unter den Marranen an.Der Statthalter Alfonso de Aguilar, ein Edler von königlichemGeblüte, eilte mit seiner Mannschaft auf den Schauplatz des Gemetzelsund durchbohrte den aufwieglerischen Schmied mit seiner Lanze. Aberdamit goß er nur Oel ins Feuer. Denn ein Müller entzündete vonneuem die Menge, welche sich vor den Lanzen der bewaffneten Mann-schaft zerstreut hatte, durch Hinweisung auf den Leichnam des gemordetenSchmiedes, der als Märtyrer für den reinen Glauben angesehen wurde.Nah an 20 000 Altchristen erschienen auf den Straßen und erneuertendie Scenen von Mord und Brandstiftungen in den Häusern derNeuchristen. De Aguilar vermochte mit seiner Mannschaft nicht demGemetzel Einhalt zu thun- Er war selbst bedroht und zog. sich inseine Festung zurück, nahm aber ritterlich mehrere Marranen und