Die letzten Kabbalisten in Spanien.
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Schlagwörter und Deutungsregeln in kindischer Spielerei auf dieKabbala anzuwenden.
Dabei konnte dieser kabbalistische Verfasser nicht genug Zorngegen die Rabbinen, die Jünger des Talmud, entladen; er schmähtesie: daß sie „mit lauter Stimme und blitzartiger Beweglichkeit" übertalmudische Probleme disputiren, angeblich neue Ergebnisse entdecken,dabei ein Wohlleben führen, das Volk nicht auf den rechten Wegweisen und besonders der Kabbala keine Aufmerksamkeit zuwenden. —„Diese Blinden, die sich noch ihrer Blindheit rühmen, streiten um
eitlen Wind und meinen weise zu sein, weil sie zu disputiren ver-stehen. Nein, der kann nicht weise genannt werden, der selbst den
ganzen Talmud versteht, sondern nur der in die kabbalistischen Ge-heimnisse eingedrungen ist". Der verkappte Kana bekämpft den
Talmud mit talmudischen Waffen. Er nennt ihn einen Krebsschadenin den edlen Theilen; man müsse die Wurzel des Uebels beseitigen,um gesundes Fleisch anzubringen — natürlich die Kabbala. Nurdurch sie behalten die Ritualien des Judenthums ihren Werth, ohnedie kabbalistische Grundlage müßte man annehmen, das ganze Juden-thum habe mit der Tempelzerstörung Sinn, Bedeutung und Verbind-lichkeit eingebüßt. Nach talmudischem Gesichtspunkte müßte mansagen: Da Gott sein Volk von sich gewiesen, es in die Fremde ver?stoßen und gewissermaßen verkauft habe, so habe er es damit seinesDienstes entbunden und von der religiösen Verpflichtung befreit.„Man kann nicht zweien Herren dienen". — Der namenlose Kabbalistgebrauchte die derbsten Ausdrücke, um die talmudische Lehrweise inein ungünstiges Licht zu stellen. „Das talmudische Gesetz hat her-ausgedrechselt, daß das weibliche Geschlecht von manchen an die Zeitgebundenen religiösen Satzungen entbunden sei; es erniedrigt damitdas arme jüdische Weib bis in den Staub und stellt es dem Sklavengleich. O Gott, was hast du uns gethan? Du hast in deinemGesetze befohlen, nichts hinzuzufügen, und dann hast du uns denHänden der Talmudisten überliefert, daß wir nicht von ihren Satz-ungen weichen sollen, und sie haben so Manches zu deinem Gesetzehinzugefügt"! So reißt der Kabbalist unter dem Namen Kana dastalmudische Judenthum nieder, wirft die kitzlichsten, verfänglichsten Fragenauf, freilich angeblich, um wieder aufzubauen, d. h. um die Fragendurch kabbalistische Ungereimtheiten zu beantworten und solchergestaltdie Ueberlegenheit und Unentbehrlichkeit der Kabbala darzuthun und zubegründen. Ehe drei Jahrhunderte seit Entstehung der Mystik vergangenwaren, wurden Talmud und Kabbala Feinde und lieferten einander blutigeFehden, und noch um zwei Jahrhunderte später wurden sie Todfeinde.