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8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
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Das Rabbinerthum im fünfzehnten Jahrhundert. 213

Judenheit, daß die beiden angesehensten Rabbinen ihrer Zeit, JakobWeil und Israel Jsserlein, von wahrhafter, sittlicher Frömmigkeitund von Demuth durchdrungen, der beginnenden Anmaßlichkeit mancherRabbinen eine Schranke setzten. Denn auch Andere neben Elia vonPrag und Seligmann von Bingen fingen an, von dem bösen Beispielein der Kirche verführt, sich den Laien gegenüber geistliche Vorrechteanzumaßen.Es giebt Rabbinen", so geißelt sie Jakob Weil,welchekaum den Talmud gründlich verstehen und sich doch herausnehmen,mit der Krone des Rabbinats hoffärtig zu thun, aus Ehrgeiz, uman der Spitze zu stehen, oder aus Gewinnsucht. Sie sind baar allerjener Tugenden, welche der Talmud von seinen Jüngern verlangt.Einige unter ihnen lassen sich gar Vergehungen zu Schulden kommen,wodurch sie in üblen Leumund kommen und den Namen Gottes ent-weihen" i). Als nun solche wenig würdige Rabbinen mit Berufung aufden Talmud diejenigen Laien, welche ein beleidigendes Wort gegensie ausstießen, in Geldstrafe nahmen und sich durch Verhängung desBannes Selbstrecht verschafften, so erklärte Jakob Weil rund heraus:Daß die Rabbinen in gegenwärtiger Zeit kein Vorrecht vor Laienhaben, daß überhaupt gegenwärtig Niemand als Weisenjünger (lalrniäOlmobam) im Sinne des Talmuds zu betrachten sei, und daß siedurchaus nicht berechtigt seien, wegen Beleidigungen gegen ihre PersonGeldstrafe oder Bann zu verhängen 2 ). Sehr streng war Jakob Weilgegen Halbwisser, welche sich von dem Landesfürsten oder der Obrigkeitdas rabbinisch-geistliche Amt übertragen ließen und besonders gegendie Bettelrabbinen und gegen jene Unberufenen, die sich als Rabbinenausgaben, auf ihrem Wanderleben geistliche Funktionen übten, Eheneinsegneten und Scheidungen Vornahmen ^). Die Rabbinen der deutschenGemeinden, Jakob Weil, Israel Jsserlein und ihre Jünger, IsraelBruna, Joseph Kolon, die beiden Menz und mehrere Andere,welche seit der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts immer mehrLehrer und Muster für die Gesammtjudenheit in Europa wurden,haben zwar literarisch nichts Bedeutendes geleistet, aber sie habendas Rabbineramt, so viel an ihnen lag, vor Verwilderung und Ent-

Jakob Weil Usspp. Uo. 163, auch ausgenommen in Re8pp. JosephKolon Nr. 163.

2 ) Das.

°) Das. Nr. 85, 128, gegen einen gewissen Abram, der in Doppelehelebte und wegen seines guten Gedächtnisses Effect machte. Vergl. auch GemeinerRcgensburg'sche Chronik 111. S. 258. Ein Jude war als Hochmeister (Rabbiner)umhergcreist und hatte den ordentlichen Judengerichtcn zu Abbruch Parteienerhört rc. (1456). Vergl. Güdcmann, Gcsch. des Erzichungswescns re. derJuden in Deutschland, B. III. S. 39 f.