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8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
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Geschichte der Juden.

Jünger des Jakob Möllin (o. S. 137), verband mit dessen Gründ-lichkeit im Talmud und der ganzen rabbinischen Literatur eine be-sondere Tiefe. Von seinem Lehrer autorisirt, rabbinische Funktionenin Nürnberg auszuüben, enthielt er sich derselben aus Bescheiden-heit, um nicht einem längst Eingesessenen, Salomo Kohen, zu nahzu treten. Als Jakob Weil später Rabbiner von Erfurt wurde, er-kannten ihn nahe und ferne Gemeinden als Autorität an und unter-warfen sich seinen Entscheidungen. Er hat zwar außer seinen gut-achtlichen Bescheiden kein schriftstellerisches Werk von Belang hinter-lassen; aber diese beurkunden hinlänglich eben so sehr seine Klarheitwie seinen edlen Sinn. Die Rabbinatswürde hatte keinen Werth inseinen Augen, um sich dadurch höher als die Laienwelt zu dünken.Von Processen hielt sich Jakob Weil, so viel es nur anging, fernund rieth den Parteien, sich lieber einem Schiedsgerichte von sach-verständigen Männern anzuvertrauen H. Wo es aber Wahrung derRechte galt, verfuhr er, der Sanftmüthige und Milde, mit einer That-kraft, die kein Ansehen der Person kannte. Das bewies er einmalgegen seine eigenen Verwandten.

Einem sehr reichen, angesehenen und talmudkundigen ManneAbraham-Esra, der bei einem Bischof (von Merseburg oder Magde-burg) viel Gewicht hatte, wurden von einem Herzog Frau undEnkelin entrissen und in den Kerker geworfen, wahrscheinlich um vonihm viel Geld zu erpressen. Das junge Mädchen sollte zur Taufegebracht werden. Aller Einfluß des Abraham-Esra auf den Bischofvermochte nicht, die Freiheit der Eingekerkerten zu erlangen. Danahm sich ein gewisser David Zehner der Unglücklichen an undsetzte ihre Befreiung aus fünfmonatlicher Kerkerhaft für eine be-deutende Geldsumme durch. Statt dem Helfer in der Roth zudanken, verweigerte der Gatte und Großvater demselben die Erstattungder Auslagen unter dem Vorwände, seine Frau und Enkelin wärenauch ohne dessen Bemühung durch den Bischof in Freiheit gesetztworden. Der Mann war überhaupt nicht blos ein Geizhals, sondernauch ein Betrüger, der seinen Reichthum durch Unrechtthun erworbenhatte, und außerdem ränkevoll und gefährlich für diejenigen, die ihmhinderlich waren. Der Rabbiner seiner Gegend wagte es nicht, ihnvorzuladen, damit er David Zehner entschädige. Da machte ihmJakob Weil, obwohl mit ihm verschwägert, den Proceß und bedrohteihn mit dem schwersten Banne, wenn er nicht die ausgelegte Summebinnen kurzem zurückerstatten sollte 2).

1) Jakob Weil, Usspx. Uo. 146.

2) Das. Nr. 148150, auch Usspp. Israel Bruna Nr. 235, 236.