Capistrano in Ungarn.
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Türken aufforderte, mußten sich seine Legaten auf dem Reichstage zuRegensburg Worte gefallen lassen, welche die Fäulniß schonungslosaufdeckten. Der Papst und der Kaiser, hieß es, denken gar nicht daran,Krieg gegen die Türken zu führen, sie wollen lediglich das zusammen-gebrachte Geld verprassen. Alle Welt sagte: „Warum sollten wirunseren Schweiß, unsere Güter, das Brod für unsere Kinder preis-geben, während der Papst den Schatz des heiligen Peter in Thürmenmit dicken Steinmauern verbirgt, den er doch zur Vertheidigung desGlaubens zuerst herausgeben sollte." Vergebens predigte sich Capistranoheiser, um Begeisterung für einen Kreuzzug anzufachen, als die TürkenAnstalten trafen, in Ungarn einzufallen und die Länder des linkenDonauufers eben so dem Halbmond zu unterwerfen, wie die zur rechten.Seine Capucinaden zogen nicht mehr, und nur ein zusammengelaufenesHeer von Studenten, Bauern, Bettelmönchen, Hungerleidern undromantischen Fanatikern sammelte sich. Die Ritterschaft Europasrührte sich nicht, sie war nüchtern und mißtrauisch geworden. Dermittelalterliche Spuk begann bei dem nahen Anbruch des Tages zuschwinden.
Der ungarische Krieger Hunpad Corvinus und Capistranobefehligten das Kreuzheer von 60 000 Mann bei Belgrad gegenMohammed II. und die Türken, und die Laune des Schlachtengottesverlieh ihnen einen geringfügigen Sieg; die Türken mußten vor derHand die Eroberung Ungarns aufgeben — um sie später aufzunehmen.Welch' ein Jubelruf ertönte in der Christenheit über den Sieg beiBelgrad! Boten über Boten verkündeten den Triumph des Kreuzes.Capistrano's Verblendung ging so weit, sich allein den Erfolg beizu-legen, und in einem Schreiben an den Papst des Helden Hunpad mitkeiner Silbe zu erwähnen. Der mehr schlaue, als gläubige AeneasSplvius Piccolomini, ein gesinnungsloser Schöngeist, der es spätervom Geheimsekretär des Kaisers zum Papste (als Pius II.) gebrachthat, dem nicht viel Wahres aus dem Munde kam, fällte über Capi-strano's letztes Benehmen ein wahres Urtheil: „Der Franciskaner-mönch konnte Besitz verachten, der Süßigkeit des Lebens entsagen, dieWollust besiegen, aber die Eitelkeit des Ruhmes konnte er nicht über-winden. Er wollte seinen Namen allein durch den Sieg bei Belgradverewigen" H. Eigen ist es, daß sich ein Jude (Mose Soncin -)rühmte, seinerseits Capistrano mit seiner Schaar besiegt zu haben.
*) .4,sneas 8)'1vius, Hiskoria Lollsmias e. 8. e. 66.
-) Gerson Sonein, der Editor vieler Werke in verschiedenen Osficincn, be-merkt auf dem Titelblatt zur Edition des Kimchischen LIielllol (Const. 1532):
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