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Geschichte der Juden.
sollte aber nur dann Gültigkeit haben, wenn eine förmliche Vorladungdurch den jüdischen Synagogendiener (Lkolu^) oder den königlichenGerichtsdiener sMinistorialis) vorausgegangen war Um der Willkürdes jüdischen Gerichts zu steuern, bestimmte Kasimir's IV. Gesetz,daß ein Urtheilsspruch (Bann?) über einen Juden nur mit Zu-stimmung der Gemeinde verhängt werden dürfte"). Gewiß besaßendamals die Juden im christlichen Europa nirgends solche günstigePrivilegien, nicht einmal unter Juan II. von Castilien trotz ihrerBegünstigung durch Abraham Benveuiste. Der König hatte sie mitZustimmung der polnischen Magnaten erneuert und erlassen. Auchden Karäischen Gemeinden in Troki, Luzk und anderen hat Kasimirihre Privilegien, die sie vom Lithauischen Herzog Witold aus demdreizehnten Jahrhundert besaßen, erneuert und bestätigt (1446 ^).
Die Geistlichkeit sah aber mit scheelem Blicke auf diese Be-günstigung der Juden und arbeitete mit allem Eifer daran, den KönigKasimir zur Aufhebung derselben zu bewegen. An der Spitze desden Juden feindseligen polnischen Clerus stand damals der einfluß-reiche Bischof und Cardinal von Krakau, Namens ZbigniewOlesnicki. Ihm war der Schutz, den der König den Juden undHussiten eingeräumt hatte, ein empfindliches Aergerniß. Die böh-mische Lehre vom Laienkelche hatte nämlich auch zahlreiche und vor-nehme Anhänger in Polen, wozu die Bischöfe am meisten Ver-anlassung gaben; denn durch ihre Selbstsucht, Uneinigkeit untereinander und ihren unheiligen Wandel machten sie die katholischeLehre, die sie vertraten, nur verhaßt. Um gegen die Hussiten inPolen wirksam wüthen zu können, lud der Bischof Zbigniew denKetzerbanner Capistrano dringend ein, nach Polen zu kommen. InKrakau wurde er vom König und der Geistlichkeit wie ein höheresWesen im Triumph eingeholt. Die ganze Zeit, welche der Mönchin Krakau weilte (28. August 1453 bis Mai 1454^), stachelte erim Vereine mit dem Bischof Zbigniew den König Kasimir gegen diehussitischen Ketzer und die Juden auf. Capistrano stellte ihn öffentlichdarüber zur Rede, drohte ihm mit Höllenstrafen und prophezeihte ihmeinen schlechten Ausgang des Krieges gegen den preußischen Ritter-orden, den Kasimir damals vorhatte, wenn er nicht die günstigenPrivilegien der Juden aufheben und die hussitischen Ketzer dem Blut-
-) Das. § 25. ^ Das. ß 24.
°) Aus einem Manuskript in Troki, copirt von Firkowitz, mitgctheilt inNeubaucr's: aus der Petersburger Bibliothek S. 141 Nr. 58.
H Vergl. Dlugoß a. a. O- II. x. 122.