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Geschichte der Juden.
seinen Untergang herbeigeführt. Seine neuchristlichen Todfeinde ver-doppelten ihre Mittel, ihn in Ungnade zu bringen, um nicht von ihmins Verderben gestürzt zu werden. Kaum zwei Jahre nach demErlaß der päpstlichen Jnquisitionsbulle wurde er auf den Befehlseines Gönners, der von seinen Todfeinden gedrängt wurde, schmählichaufs Schaffst gebracht. Die Bulle blieb vor der Hand todter Buchstabe.
Welch eine Verkehrtheit war es nun, zu den alten jüdischenTäuflingen mit erheucheltem christlichen Bekenntnisse auf den Lippenneue hinzufügen! Solche sollte der Franciskaner-Mönch Capistranovermehren. Dieser Mönch mit ausgemergclter Gestalt und häßlichemWesen besaß ein einschmeichelndes Organ und eine Willensstärke,wodurch er nicht blos die stumpfe Menge, sondern auch die höherenStände rühren, fesseln, begeistern, erschrecken und zu einem frommenLebenswandel und zu grausigen Unthaten bewegen konnte. Wie beidem spanischen Dominikaner Vicente Ferner (S. 106), so lag beiCapistrano die wunderbare Gewalt, die er über die Gemüther hatte,nicht so sehr in einer hinreißenden Beredsamkeit, als in einer sym-pathischen Stimmenmodulation und in einem unerschütterlichen Wahn-glauben H. Er selbst war davon überzeugt, daß er mit dem Blute,das er von der Nase seines Meisters Bernardinus von Sienagesammelt hatte, und mit dessen Kaputze Kranke zu heilen, Todte zuerwecken und Wunder jeder Art zu verrichten vermöchte. Das wahn-bethörte Volk glaubte nicht nur an seine Wunderthätigkeit, sondernvergrößerte und übertrieb sie noch mehr. Seine streng asketischeLebensweise, sein Haß gegen Luxus, Wohlleben und Schwelgereimachte einen um so größeren Eindruck, als sie gegen die üppigeLebensweise der Welt- und Klostergeistlichen grell abstach. WoCapistrano auftrat, strömten Tausende von Zuhörern zusammen, umsich von seinen Predigten erbauen und erschüttern zu lassen, wennsie auch kein Wort von seinen lateinischen Reden verstanden. DiePäpste Eugenius IV. und Nikolaus V. bedienten sich seiner als einesbrauchbaren Werkzeuges, um das erschütterte Ansehen des päpstlichenStuhles wieder herzustellen. Sie ließen ihn überall für die Unfehl-barkeit des Papstthums, für Vertilgung der Ketzer, d. h. nicht blos
Gegen die apotheosirendcn Biographien von Nicolans de Fara undChristoforus de Baris io (in den sanetornaa Ootodsr 1. X. und in
Hermann's Oa^istranns teiumplmnch erschien von protestantischer Seite eineskizzenhafte Lebensbeschreibung desselben von Diaconus Adolf Peschck inJllgens Zeitschrift für historische Theologie, B. II. 2tcs Stück S. 259 ff. undeine Berichtigung der Apotheose in Sybcls historischer Zcitschr. Jahrg. 1863Heft III. S. 19 ff. von G- Voigt.