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Geschichte der Juden.
Kreisen. Mit Recht waren die Juden von Schrecken ergriffen, alsder Papst Nikolaus, um das erschütterte Ansehen des StatthaltersChristi zu heben, ein Jubiläum ausschrieb (für 1450) und allenRompilgern Sündenerlaß verhieß. Auf die leichteste Weise konntenda die Judenplünderer und Judenberauber ihre begangene Sündesühnen — wenn sie es überhaupt als Sünde ansahen, das verfluchteGeschlecht zu vertilgen. Der Rabbiner Jsserlein verordnte daherein allgemeines Fasten, um Gottes Barmherzigkeit gegen die Feind-seligkeit der Jubel-Pilger zu erflehen I. Der eben so wilde, wiebigotte baierische Herzog von Landshut, Ludwig der Reiche genannt,„ein Feind des Wildes und der Juden", ließ nicht lange nach seinemRegierungsantritt sämmtliche Juden seines Landes an einem Tage(Montag 5. October 1450) festnehmen, die Männer in Kerker, dieFrauen in die Synagogen einsperren und all ihre Baarschaft undKleinodien für sich confisciren. Die christlichen Schuldner wurdenangewiesen, ihren jüdischen Gläubigern nur das Capital zu zahlen
und davon noch die Zinsen abzuziehen, die sie etwa vorher gezahlt
hätten. Nachdem die Unglücklichen vier Wochen in Gewahrsam waren,mußten sie dem Herzog 30,000 Gulden für ihr Leben zahlen, dannwurden sie sümmtlich arm und fast nackt aus dem Laude gewiesen ^).Gerne wäre Ludwig mit der reichen und großen Regensburger Ge-meinde, die unter seiner Botmäßigkeit stand, eben so verfahren. Alleinda er nur eine eingeschränkte Gewalt über sie hatte, und die Judendieser Stadt als Bürger unter dem Schutze des Rathes und seiner
Gerechtsame standen, so mußte er sich mit einer Art Brandschatzungbegnügen. Viele Juden sollen damals aus Angst und Noth zum
Christenthum übergetreten seinch.
Wie die europäischen Juden auf ihre spanischen Brüder, alsauf eine gehobene und begünstigte Klasse blickten, so richtete auch dasPapstthum sein besonderes Augenmerk auf diese, um sie nicht in einergünstigen Stellung im Staate zu lassen. Entweder auf Antrag desKönigs Juan II, die strengen kanonischen Beschränkungen gegen siezu mildern, was er in dem Dekret von Arevalo verheißen hatte (o. S. 148),oder auf Gesuch ihrer Feinde, dieselben zu bestätigen, erließ der
I Frankel-Graetz, Monatsschr. 1869, S. 229.
") Hauptguclle bei Oefcle, soriptores reimm boiaarum I. p. 105b, II.p. 665, auch bei Arctin, Geschichte der Juden in Baicrn, S. 33, Note e. Ge-meiner a. a. O. III- S- 182, 205. Auch Joseph Kohcn in Ilmsle tm-Haaba.hat eine Nachricht darüber (p. 77), nur ist das Datum dort falsch angegeben'a — 1340 statt a-, ^ — 1450.
°) Gemeiner a. a. O- III. x. 182.