Nikolaus V. und die Juden.
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leiten wegen dieser Vertreibung; denn Kaiser Albrecht starb, ehe dieUrkunde von der kaiserlichen Erlaubniß zu dieser Hartherzigkeit aus-geliefert wurde i). Er regierte zum Glücke für die Juden nur zweiJahre und überlies; die Zügel des deutsch-römischen Reiches, oderrichtiger die vollständige Anarchie in demselben, dem gutmüthigen,schwachen, trägen und lenksamen Friedrich III., der nicht judenfeind-lich war, sie vielmehr da, wo er eingreifen konnte, gegen Unbillbeschützte. Dafür traten zwei andere wüthende Judenfeinde auf: derPapst Nikolaus und der Franciskanermönch Johannes de Capi-strano, dieser ein Menschenmürger in Gestalt eines demüthigenGottesdieners.
Eugenius' Nachfolger, der Papst Nikolaus V. (März 1447—März 1455), setzte das System der Demüthigung und Knechtung derJuden fort. Sobald er den Petristuhl bestiegen hatte, lieh er essich angelegen sein, die Privilegien der italienischen Juden, welcheMartin V. bestätigt und Eugenius nicht förmlich aufgehoben hatte,zu zerreißen und ihre Inhaber unter Ausnahmegesetze zu stellen. Ineiner Bulle (vom 23. Juni 1447 -) wiederholte er dieselbe Beschrän-kung für Italien, welche sein Vorfahr eingeschürft hatte, und schenkteihnen auch kein Titelchen davon, nicht einmal das, das; ein Christfür Juden am Sabbat kein Feuer machen dürfe. Wenngleich Nikolaus'Bulle nur eine Copie war, so hatte sie doch eine größere Tragweiteals das Original. Denn er ernannte darin den Juden- und Ketzer-henker Johannes de Capistrano zum Vollstrecker derselben.Dieser sollte selbst oder durch seine Ordensgenossen, die Franciskaner,die pünktliche Befolgung überwachen und die Bestrafung der Ueber-treter vollziehen. Der Mönch Capistrano hatte demnach die Befugnis;,wenn beispielsweise ein jüdischer Arzt einem kranken Christen einHeilmittel reichte, ihm sein Hab und Gut zu confisciren, und dieserHeilige mit einem Herzen von Stein war ganz der Mann dazu, auchein solches Vergehen mit unerbittlicher Strenge zu ahnden.
Die systematische Judenfeindlichkeit, wovon die Baseler Kirchen-versammlung und die Päpste beseelt waren, wirkte ansteckend in weiten
') Quellen: Stetten, Geschichte von Augsburg I. S. 169, 164, 177 f.Gemeiner, Rcgensburg'schc Chronik III. S- 258, auch Schudt, jüdische Denk-würdigkeiten I. S. 336. Stobbe das. 86 fg. Noch im Jahre 1569 durftenkeine Juden in Augsburg wohnen, und als einige die Erlaubniß erhielten, sichim Dorfe Pferscn bei Augsburg nicdcrzulassen, arbeitete der Rath dagegen:Stetten a. a. O.
2 ) Die Bulle ist in sxtsuoo mitgethcilt in Hermann's Oapl8tranusIrinrnpliLus (Cöln 1700) p. 254 ff. und Wadding, Xnualss üliuoruin 1. XI.p. 280 ff.