186
Geschichte der Juden.
veranlaßten. Der Gouverneur gab der allgemeinen Volksstimme nach,und die Verurteilten wurden unter Procession und Chorälen vomSchaffst nach der Kirche geleitet, und ein Te Deum wurde angestimmt.So endete die Gemeinde von Palma, welche über ein Jahrtausendbestanden und so viel zur Blüthe der Insel beigetragen hatte. Mit ihrschwand auch der Wohlstand dieses fruchtbaren und günstig gelegenenEilands. Simon Duran, den der Uebertritt der Gemeinde von Palma,welcher er mit allen Fasern seines Herzens angehörte, tief betrübte,beruhigte sein Gewissen damit, daß er es nicht an Ermahnungen habefehlen lassen i).
Der giftige Judenhaß, der in Spanien und Deutschland ammeisten heimisch war, steigerte sich, wo möglich, seit der Mitte desfünfzehnten Jahrhunderts und erreichte bis gegen Ende desselbenseinen Höhepunkt. In Spanien entsprang er mehr aus dem Neideüber die einflußreiche Nolle, welche die Juden, wie geschwächt undgedemüthigt auch immer, dort spielten, in Deutschland dagegen, wosie wie Schatten umherwandclten, war die ungeberdige Rohheit, ver-bunden mit Glaubenswuth, die Erzeugerin. — Für die deutschen Ge-meinden war der Tod des Kaisers Sigismund (gegen Ende 1437),gerade als ihnen das Baseler Concil einen finsteren Blick zuwarf,ein betrübendes Ereigniß. Wenn dieser Fürst auch kein zuverlässigerBeschützer war, sie oft genug wegen seiner bodenlosen Geldverlegenheitabzapfte und sogar die Kosten für das Concil zu Costnitz ihnen auf-bürdete ^), so duldete er doch nicht, so weit er es hindern konnte,daß sie ungerechter Weise verfolgt oder niedergemetzelt würden. Anseiner Stelle wurde jener österreichische Herzog Albrecht zum deutschenKönig und Kaiser erwählt, der so viel Unmenschlichkeit an ihnenbegangen hatte (o. S. 132). Albrecht II. war ein Todfeind derJuden und Ketzer. Freilich ausrotten konnte er beide nicht. Diehussitischen Ketzer besaßen gute Waffen und Muth, und die Judenwaren eine unentbehrliche Geldquelle. Aber gern gab Kaiser Albrechtseine Zustimmung zu Unbilden gegen sie. Als der Rath zu Augsburgbeschlossen hatte, die jüdische Gemeinde auszutreiben (1439), ertheilteder Kaiser freudigen Herzens seine Erlaubnis; dazu. Zwei Jahrebewilligte ihnen der Rat ihre Häuser und Liegenschaften zu verkaufen,nachdem diese Frist abgelaufen war, wurden sic sümmtlich ausgewiesenund die Grabsteine des jüdischen Kirchhofes zur Ausbesserung derMauern verwendet. Augsburg hatte aber später viel Unannehmlich-
Simon Duran Uospp. II. Uo. 226.
2) Vcrgl. Gemeiner, Rcgcnsburg'sche Chronik III. S. 24 ff. Stobbc a. a.O. S. 56 fg.