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8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
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Geschichte der Juden.

Judenthums verzweifeln. Er ist genöthigt, sich an Nachmani anzu-klammern und das Judenthum auf Wundern beruhen zu lassen ^). Inder Erörterung der Bestimmung des Menschen fußte Joseph Jbn-Schem-Tob auf dem aristotelischen System, daß die höchste Ausbildungund Vervollkommnung des Geistes die menschliche Seele der Gottheitnäher bringe. Das sei nun das höchste Ziel der menschlichen Thätigkeit.Sie stehe um Vieles höher als das sittliche Thun, weil dieses lediglichin einer bestehenden Menschengesellschaft Werth habe, die höchste Er-kenntniß aber von allen gesellschaftlichen und staatlichen Verhältnissenunabhängig sei und auch in der Einsamkeit erreicht werden könne.Allein, so fährt Joseph Jbn-Schem-Tob weiter fort, aus Aristoteles'Glückseligkeitstheorie durch theoretische Ausbildung des Geistes folgenoch gar nicht die Unsterblichkeit der, wenn auch mit hoher Weisheiterfüllten Seele. Die von dem Geiste errungene und erworbene Wahr-heit behalte noch ihren Werth, wenn die Trägerin derselben, die Seele,mit dem Absterben des Leibes, ihres steten Genossen, sich gleichfallsverflüchtige und verschwinde?).

Diese Lücke in der Philosophie ergänze erst die sinaitische Lehre.Sie setze die Glückseligkeit des Menschen in die Fortdauer des Geistesnach dem Untergange des Leibes; sie stehe darum unendlich höher alsjene. Das Judenthum gebe auch die Mittel an die Hand, wodurchdiese Seligkeit erlangt werden könne, nämlich durch die gewissenhafteErfüllung der religiösen Verpflichtungen^). In diesem Punkt trifftJoseph Schem-Tob's Ansicht zum Theil mit Joseph Albo zusammen;auch nach jenem haben die Gebote des Judenthums einen sacramen-talen Charakter, nur daß er nicht wie dieser das Seelenheil be-tonte. Joseph Jbn-ScheM-Tob ging so weit, den Religionsvorschriftenerkennbare Zwecke überhaupt abzusprechen und ihnen gewissermaßeneine mystische Wirkung beizulegen ^). Von einer schwärmerischen Ver-herrlichung der Philosophie ausgehend, gelangte er zu einem mystischen,wundergläubigen Standpunkte. In seiner Beweisführung liegt daherwenig Ueberzeugendes. Joseph Jbn-Schem-Tob bezeichnet lediglichden Bruch, der damals in dem Innern der jüdischen Denker zwischenGlauben und Philosophien eingetreten war. Nicht unerwähnt darfes bleiben, daß sein Bruder Isaak noch entschiedener für Maimuni'sSystem gegen die Ausfälle des eigenen Vaters Partei nahm und

') Das. Bl. 22.

-) Das. Bl. 17 a18 d, 26 a.

Das. Bl. 21, 22 und noch ausführlicher in seiner Schrift pp.r) Das. Bl. 23 b. 24.