Nichts, an diehöhere Prophetie Mo se's, an die Unveränder-lichkeit der Thora, an die Erreichbarkeit des Seelenheils durchdie fromme Erfüllung eines der Religionsgebote, an die Auf-erstehung der Todten und endlich der Glaube an die einstige Er-scheinung des Messias*). Dadurch sei innerhalb des Judenthumsdie freie Forschung in der Art gesichert, daß, wer nur dieGrundartikel desselben anerkenne und unangetastet lasse, von eigenerSchriftauslegung und philosophischem Nachdenken geleitet, Dieses undJenes anders auffassen dürfe. Diejenigen, welche auch die geringste Ab-weichung vom Hergebrachten verketzern und verdammen, seien also imUnrechte 2 ). Albo selbst machte von dieser Forschungsfreihcit Ge-brauch, den Glauben an das Messiasthum nicht als wesentlichenGlaubensartikel aufzustellen, indem selbst manche Talmudisten undfromme Männer den Messias nicht mehr erwartet hätten und darumdoch nicht als Ketzer angesehen worden wären. Die messianischenSchriftverse lassen sich anders deuten. Die Hoffnung auf die messianischeErlösungszeit sei höchstens eine innerhalb des jüdischen Stammessich fortpflanzende Ueberlieferung, aber kein unerschütterlicher Glaubens-artikel 8). Albo wollte damit offenbar die Grundlage des Christen-thums erschüttern, welche auf dem Messiasthum beruht. Er wurdeaber von Spätern wegen dieser Behauptung arg geschmäht*).
Albo's Religionsspstem ist weit entfernt, zu befriedigen. Wiees von einem fremden, christlichen Grundgedanken der Heilslehre aus-ging, mußte es auch im christlichen Sinne den Glauben als eineHauptbedingung zum Seelenheil aufstellen und die Gebote des Juden-thums als Sakramente behandeln, wie etwa das Christenthum dieTaufe, das Abendmahl, die letzte Oelung, von deren Anwendung dieSeligkeit bedingt sei. Es bewegt sich auch stets im Zirkelschlüsse,indem es bald eine allgemeine göttliche Gesetzgebung, bald die be-sondere des Judenthums als Maßstab aufstellt. Albo's Gedankengangwar so wenig unbefangen, daß er der Kabbala einige Berechtigungeinräumte und nicht klar genug erkannte, daß diese Afterreligion undAfterphilosophie dem Judenthume und der Vernunft gleicherweise insGesicht schlägt. Selbst den Sohar erkannte er als ein heiliges Buch
H Das. I. o. 28. Albo geräth dadurch zum Thcil in Widerspruch mit sichselbst, denn I. o. 2 bemerkt er: Die Leugner der Mcssiaslchrc dürften nichtals Ketzer, bezeichnet werden.
2) Das. I. o. 2, 24.
Das. IV. e. 42.
*) Namentlich von Abrabanel in seinen messianischen Schriften, besondersin
Graetz, Geschichte der Juden. VIII.
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