176
Geschichte der Juden.
lichen Religionsgesetze vor der Hand nur theoretisch, als Möglich-keit zugegeben. Für die Praxis dagegen seien die Verpflichtungender Thora so lange als verbindlich und unabänderlich zu betrachten,bis es Gott einmal wieder gefallen sollte, andere Gesetze durch eineneben so großen Propheten, wie Mose, und auf eine ebenso offen-
kundige und überzeugende Weise zu offenbaren, wie es am Sinaigeschehen i). Bis jetzt habe sich kein Prophet als solcher bewährt,daß durch ihn das Judenthum hätte außer Kraft gesetzt werden
können. Auf diese Weise wies Albo die Ansprüche des Christenthumsund auch des Islam dem Judenthume gegenüber ab. Das Letztere
sei vermöge seines Hauptkernes, die Zehngebote, und seiner noch immerverbindlichen Vorschriften als die einzige, wahre Religion, als dieechte göttliche Gesetzgebung zu betrachten.
Das Judenthum, welches das Seelenheil der Nachkommen
Abraham's fördern wolle, biete zwei Mittel dazu dar: den rechtenGlauben und die rechte Bethätigung. Denn aus diesen zweiHaupttheilen bestehe das Judenthum, aus religiösen Grundlehrenund religiösen Geboten^). Zur Erlangung der Seligkeit sei ebenBeides erforderlich. — Die Hauptlehren des Judenthums seien ebendie drei Grundgedanken jeder göttlichen Gesetzgebung: der Glaube andas Dasein Gottes, an die Göttlichkeit der Thora und an eine gerechteVergeltung nach dem Tode. Die maimunischen dreizehn Glaubens-lehren und die acht seines Lehrers Chasda'i Crescas verringerte Alboalso auf drei, aber nur scheinbar, er erweiterte diese drei wiedernach der andern Seite. Denn nach seiner Ansicht schließe der ersteGlaubensartikel: Gottes Dasein, viele Punkte als Folgesätze ein: daßdieser Gott eins, unkörperlich, urewig und vollkommen sei.Der zweite Glaubensartikel setze zugleich die Allwissenheit Gottes,die Prophetie überhaupt und die Sendung Mose's voraus, undder dritte zugleich die Vorsehung Gottes für die Menschen. Eskommen also im Ganzen acht Glaubensartikel heraus, gerade so viel,wie Chasdai Crescas aufgestellt hatte. Grundlehren oder Glaubens-artikel sind, nach Albo, solche, deren Beherzigung die Rechtgläubigkeitund deren Leugnung Ketzerei und Heraustreten aus dem Kreise derJuden bedinge ; außer diesen lehre das Judenthum noch sechs andere,die sich aber von den acht wesentlich unterscheiden. Das Leugnenderselben sei zwar auch eine Art Ketzerei, hebe aber das Grundwesendes Judenthums nicht auf und verwirke daher auch nicht die Seligkeit.Diese sechs seien: Der Glaube an die Weltschöpfung Gottes ausr) Ikllai'iw III. o. 14 — 19. -) Das. III. o. 24 — 25.