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Geschichte der Juden.
Richtschnur abgeben soll; denn die meisten Menschen handeln ebenverkehrt, haben selbst Bewußtsein von ihrer Verkehrtheit. Man könneim Allgemeinen nur sagen, daß das Gute das rechte Mittel zurErreichung der menschlichen Vollkommenheit sei. Denn das Gefühlfür das Gute und Rechte ist jedem Menschen angeboren. JederMensch, dessen Herz nicht ganz erstorben ist, freut sich einer gutenHandlung und ist beunruhigt nach einer begangenen Schlechtigkeit,d. h. er hat ein inneres Gewissen, das das Gute liebt und dasSchlechte haßt. Vermag aber darum der von Temperament undTrieben beherrschte Mensch schon aus sich und seinem Gewissen diesesGute zu finden und einzuhalten? Die philosophische Ethik giebt zwaran: Das Gute liege zwischen zwei entgegengesetzten Trieben, wie bei-spielsweise die Mildthätigkeit zwischen.Verschwendungssucht und Geiz.Allein, wer kann das Maß für die rechte Mitte bestimmen? Nochmehr. Man müsse eingestehen, daß der Mensch seine höchste Voll-kommenheit lediglich durch die Erfüllung des göttlichen Willens ohneSelbstsucht und Hintergedanken erreichen könne. Auch die Himmels-sphären, dem Menschen ähnlich aus Geist und Körper zusammengesetzt,thun nichts Anderes, sie verharren in ewiger Bewegung, d. h. sievollstrecken den ihnen geoffenbarten göttlichen Willen. Worin bestehtnun dieser göttliche Wille als Richtschnur für den Menschen? Diesenvermag er noch weniger als das Gute aus sich selbst zu finden, zubestimmen und abzuwägen. Wollte also der Schöpfer den Menschen,den er so reich ausgestattet hat, nicht in die Irre gehen und von sichselbst abfallen lassen, so mußte er ihm zugleich seinen heiligen Willenund den rechten Weg zum Guten offenbaren. Die Offenbarung einergöttlichen Gesetzgebung, welche die Handlungen des Menschen regelt undihm Anleitung zur Erreichung seiner höheren Bestimmung giebt, istdaher als nothwendig zu denken ^). Diese Offenbarung oder diesegöttliche Gesetzgebung müsse den Menschen durch das Organeines hochbegabten Wesens, durch einen göttlichen Sendboten, durcheinen Propheten kund geworden sein, der zugleich die Gewißheit undUntrüglichkeit seiner göttlichen Sendung beurkundet habe.
Diese göttliche Gesetzgebung kann nur drei Prinzipien zu ihrerVoraussetzung haben: Das Dasein eines Gottes, die Offen-barung seinesWillensunddiegerechteVergeltung nachdem Tode. Das sind die drei Säulen, auf denen sie ruht, sie bedarfderen nicht mehr-). Freilich schließen diese strotzend-vollen Gedankenviele andere ein. Die Annahme eines gerecht waltenden Gottes ent-
*) Ikkarim II. e. 1—8. Das. I. o. 10.