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8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
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Joseph Albo.

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einer der Hauptvertreter des Judenthums bei der Disputation vonTortosa, der wahrscheinlich wegen der Unduldsamkeit des PapstesBenedictus noch Soria auswanderte, verstand als Arzt die Natur-wissenschaften nach dem damaligen Stande und als Jünger desChasda'i Crescas die Ergebnisse der Zeitphilosophie. Obwohl einstrenger Anhänger des talmudischen Judenthums, war er wie seinLehrer den philosophischen Ideen nicht abgeneigt, bestrebte sich viel-mehr, beide Elemente in seinem Innern zu versöhnen, natürlich inder Art, daß jenes nicht im Geringsten zu kurz kommen sollte. Albohatte aber nicht die Geistestiefe seines Lehrers, war vielmehr gemein-plätzig und weit entfernt von strenger Gedankengliederung. Auf denRath seiner Freunde unternahm er die Untersuchung, in wie weitinnerhalb des Judenthums die Freiheit der Forschung in religiösenDingen gestattet sei. Zugleich wollte er die Frage zum Abschlüsse

bringen, ob die Zahl der Glaubensartikel im maimunischen Systemnämlich dreizehn, richtig sei, oder ob sie vermehrt oder vermindert werdenkönnte, in so fern, daß derjenige, der sie nicht sämmtlich anerkennt, zuden Ketzern gehöre. So entstand sein rcligionsphilosophisches System,ziemlich das letzte auf jüdisch-spanischem Boden. Albo's Darstellungweicht bedeutend von seinen Vorgängern ab. Er war Kanzelrednerund zwar einer der geschicktesten und anmuthigsten, und dieser Um-stand hat auf seine Auseinandersetzung einen entschiedenen Einflußgeübt. Sie ist leicht, faßlich, volksthümlich und fesselnd. Albo weißjeden philosophischen Gedanken durch ein treffendes Bild zu verdeut-lichen, ihn durch Bibelverse und agadische Sentenzen geschickt annehm-bar zu machen. Was aber seine Darstellung durch diese Vorzügeauf der einen Seite an Gemeinverständlichkeit gewann, verlor sie aufder andern Seite durch eine gewisse Breite und Seichtheit.

Es ist eine bemerkenswerthe Erscheinung, daß Albo, der die Ge-dankenreihe seines religionsphilosophischen Systems auf dem Bodendes Judenthums zu entwickeln vermeinte, doch an die Spitze desselbenein Prinzip stellte, das gerade christlichen Ursprungs ist; so sehrwirkte die Umgebung auch auf diejenigen, welche bemüht waren, derenEinfluß von sich abzuwehren. Obenan stellte nämlich der Religions-philosoph von Soria den Gedanken, daß das Seelenheil das Zieldes Menschen sei, das ihm hienieden gesteckt sei und vom Judenthumeganz besonders gefördert werde. Sein Lehrer Chasdat Crescas undAndere setzten es in die jenseitige Seligkeit, welche in der Nähe derGottheit und in der Verbindung der Seele mit dem Weltgeiste zufinden sei. Nach Albo besteht das höchste Glück nicht so sehr in derErhebung der Seele, als vielmehr in ihrer Rettung. Er mußte