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Geschichte der Juden.
Schaffens und Sanges ihre Zugkraft verloren. Auch die beide Ge-biete berührende Disciplin der Schriftforschung fand keine rechtePflege mehr. Die literarische Thätigkcit dieses Zeitabschnittes richtetesich fast ausschließlich auf einen einzigen Punkt, auf Bekämpfen derZudringlichkeit der Kirche, auf Abwehr ihrer Angriffe gegen dasJudenthum, auf herzhaften Widerstand gegen ihren Bekehrungseifer.Jüdische Denker von Glaubenstreue und fester Gesinnung betrachtetenes als ihre Pflicht, ihre Ueberzeugungen laut zu verkünden und dieSchwachen unter den Ueberbleibseln Israels in Spanien und ander-wärts vor Verführung zu warnen und zu stählen. Je angelegent-licher die Predigermönche und namentlich die zahlreichen Ueberläufervon dem Schlage des Paulus de Santa Maria, des Geronimo deSanta Fs und des Pedro de Caballeria den Juden die Ueberzeugungbeizubringen suchten: die christliche Dreieinigkeit sei der wahre GottIsraels, und jemehr die Kirche ihre Fangarme nach den Juden aus-streckte und sich aller, aller Mittel bediente, um sie in ihren Schoostzu ziehen, desto mehr mußte jüdischerseits mit aller Kraft gearbeitetwerden, sich das uralte Eigenthum nicht durch einen geschickten Finger-griff aus den Händen winden oder richtiger das Götzenbild nicht indas Allerheiligste stellen zu lassen. Besonders mußten die schwachenKöpfe vor dieser Verwirrung der religiösen Begriffe und Lehren ge-wahrt werden. Jüdische Prediger nahmen daher mehr denn je dasThema von der reinen Einheit Gottes zum Gegenstand ihrer Kanzel-beredtsamkeit. Sie durften es nicht unterlassen, den wesentlichen,unversöhnlichen Unterschied zwischen dem jüdischen Gottesbewußtseinund dem christlichen zu betonen und die Vermischung beider als un-wahr und unheilvoll zu stempeln. Die Zeit war derjenigen ähnlich,in welcher eine hellenistisch gesinnte jüdische Partei ihre Brüder zumAbfall vom einigen Gott zu verleiten arbeitete und darin von demweltlichen Arm mit dem Schwerte unterstützt wurde. Manche Predigerthaten zur Erreichung des beabsichtigten Zweckes des Guten zu viel.Anstatt den Gemeinden die Einheit Gottes aus dem lautern Bibel-worte und der phantasiereichen Agada ans Herz zu legen, bedientensie sich dazu der Künste der philosophischen Scholastik, gebrauchtendie Formeln der Philosophen und ließen von der jüdischen Kanzel inGegenwart der Thora die Namen Plato, Aristoteles, Averross er-tönen neben den Namen der Propheten und der talmudischen Weisen.Diese Predigtweise, welche wieder zu dem Spiele der Allegorie, derIlmdeutung von Bibelversen und Talmudstellen zu philosophischenGemeinplätzen griff, erregte daher hin und wieder gerechten Anstoß.
Als einst ein Prediger dieses Schlages durch scholastische Formeln