Druckschrift 
8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
Entstehung
Seite
157
Einzelbild herunterladen
 

Die Juden in Spanien.

157

daß er mit der Form und der poetischen Einkleidung nur bezweckthabe, die lüsterne Jugend einen Augenblick zu sesseln, um sie dannzu moralischen Betrachtungen anzuleiten. Etwas mehr dichterischeBegabung besaß Salomo Ben-Röuben Bonfed^), er hatte ein Ideal,dem er nachstreben wollte, an Jbn-Gebirol. Aber er besaß nur dessenEmpfindlichkeit und Reizbarkeit und glaubte wie diese vibrirende

Dichterseele vom Schicksal verfolgt zu sein und ein Recht auf Bitter-keit zu haben. Er rächte sich durch Spottgedichte auf seine Feinde

und auf die Gemeinde, welche auch über Jbn-Gebirol Verbannungverhängt hatte. Er läßt diesen Dichter ihm Trost zusprechen und

den Stab über dieunwürdigen" Juden Saragossa's brechen. Freilichfehlte ihm der ideale Zug, welcher sein Musterbild so sehr verklärt hat ^).

Die Fähigkeit zu poetischen Schöpfungen fehlte auch den JudenItaliens im Beginn des medicäischen Zeitalters, als sich dort ein hoherCulturstand entwickelte, der im Verein mit der hussitischen Bewegungwie Wurmfraß an dem Gebäude des katholischen Mittelalters zehrte.Nur einen einzigen Dichter hat das jüdische Italien nach ImmanuelNomi erzeugt, und dieser war, genau betrachtet, kein Dichter im

edlen Sinne. Mose b. Isaak (Gajo) da-Riet.i in Perugia (geb.1388, gest. nach 1451-"), der die Arzeneikunde betrieb, auch philo-

*) Vergl. dieselbe Note.

°) Das gelungene Epigramm, welches Dukes aus einer Handschr. mit-getheilt hat:

?21 1.1P2 21 ',12,13 1'U 1'3^,1 ^131 1'1 IL'tt21 21P1 1'3b,1 rn'1 1P2 . 1'x N2'w' li 13

(Orient. Litbl. 1843 ool. 796) stammte gewiß von dem Satiriker Bonfcd,obwohl eine andere Handschr. es Dafiera beilegt (i'imi XIV. S. 87). Es istcharakteristisch für die Zeit der Verwilderung (o. S. 142), in welcher jungeHalbwisser sich als Rabbiner geberdcn konnten.

Goldcnthal, welcher da-Rieti's soinsäia äiviim 3>-3 ni^3 cdirt hat(Wien 1851), hat in dem Vorworte dessen Geburtsjahr nicht richtig angegeben:1393. Er hat nämlich ein Epigraph in einem Codex von hebr. Uebersetznngenphilosophischer Schriften des I-sons Lomnno übersehen, wo das Geburtsjahrdeutlich angegeben ist. Ooäsx de Rosst Xo. 1876 heißt es in lateinischerUcbersetzung: Loripsi SAv Nosso äs Risti llis l'srusins anno rnunäl5196 vitns vsl Lstntis msns 48. Also 5196 1486 war da-Ricti 48 Jahralt, folglich geboren 1388. Falsch ist auch sein Geburtsjahr, 1416 angegeben,in einem Codex (i>2i3i Jahrg. V. S. 132). Das Datum bezieht sich wohlaus den Beginn seines Poems. Im Jahre 1451 und zwar Kislcw 5212wurde unter seiner Leitung Narboni's Commcntar zu Alghazali's blslrnslä^Ixbnlnsaplln ( 2 -swiisi ,imr) copirt, wie ein Codex Vaticanus angicbt. Daßer sein vrn 3 , 1,23 1416 begonnen hat, ist von Goldcnthal richtig ermittelt.Daß er Arzt war, beweist sein Commcntar zu Hippokrates' Aphorismen (deRosst Codex 1365, Katalog Leyden Warner 72 X; vergl. auch Bartolocei