Achtes Kapitel.
Stand der jüdischen Literatur im fünfzehnten Jahrhundert.
Abnahme der Geistcspflcge. Das Talmudstudium, die ncuhebräischc Poesie.Der Reimschmied Dascira, der Fabulist Vidal, der Satiriker Bonfcd. Deritalienische Dichterling Salomo Da-Ricti. Die polemische Literatur. Vidal,Joseph Albo, David Naßi, Isaak Nathan. Die hebräische Cvncordanz.Joseph Jbn-Schcmtob.
(1430—1456.)
Don Abraham Benveniste hatte bei der Reorganisation desjüdischen Gemeinwesens in Castilien vor allem darauf Bedacht ge-nommen, die gesunkene Geistespflege wieder zu wecken. Einseitig
fromm wie er war, drang er darauf, das; Schulen für das höhereTalmudstudium wieder in Gang kommen sollten. Mit seinem Reich-thum unterstützte er Talmudkehrer und Jünger. Aber sein Eifererzielte keinen glänzenden Erfolg. Selbst die Talmudisten aus dieserZeit, welche über die Mittelmäßigkeit hervorragten, halten keinenVergleich mit ihren Vorgängern aus. Und nun gar die höhere
Wissenschaft, die keinerlei Unterstützung fand, sie konnte noch wenigereinen Aufschwung nehmen. Es ist bewunderungswürdig genug, daßbei der Lichtung des jüdischen Geistesadels durch Gemetzel und Ueber-tritt zum Christenthum der Schaffensdrang nicht ganz und garzum Stillstand gekommen und daß nicht völlige Stumpfheit ein-getretcn ist. Allerdings die neuhebräische Poesie, welche auf spanischemBoden so herrliche Blüthen entfaltet hatte, war welk geworden undnäherte sich dem Verfall. Die reinspanische Poesie, welche unterHeinrich III. und Juan II. ihre Geburtszeit hatte, die lustigen WeisenderVillena und Santillana weckten im jüdischen Kreise kein Echo.Nicht einmal ein ergreifendes Trauerlied, welches den Schmerz überdas tragische Geschick aushaucht und ihn dadurch erklärt, hat sicheiner jüdischen Brust entwunden ^). Nur wenige Namen tauchen aus
Vergl. die Klagelieder o. S. 57. Das Klagelied eines Unbenanntcnüber dieselbe Verfolgung ist nicht besser. (Aus einer Firkowitzischen Sammlung,mitgethcilt von Gurland in Kobaks ckoselluruu, Jahrg. VI. hebr. Abthl. S. 56:
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