148
Geschichte der Juden.
Zum Glücke für die Juden dieses Königreiches wurde erbestürmt, wieder an den Hof zu kommen, und alle seine Würden odervielmehr seine Regierung über Staat und Heer zu übernehmen. DerKönig konnte ihn nicht entbehren, und auch die Granden, wie dasVolk, sahen in ihm den Retter in der Roth, um der während seinerVerbannung eingerissenen Anarchie, der Häufung von Verbrechen undSkandalen zu steuern. Wie eine beleidigte Frau ließ er sich langebitten, und als er die Zügel wieder in die Hand nahm, trat wiedurch Zauberei Ruhe und Ordnung wieder ein.
Er ließ sich auch die Unterdrückung der begonnenen Gewalt-
thätigkeit gegen die Juden angelegen sein. War doch der Ausgangs-punkt dieser Bulle, deren Urheber er nicht verkennen konnte, von dersträflichen Begünstigung der Juden ein Schlag gegen ihn, daß ereinsichtsvolle und erfahrene Juden an den Hof gezogen hatte. DerKanzler führte sofort einen Gegenstreich gegen seine Feinde und dieder Juden. Der König, d. h. de Luna, erließ ein Dekret (6. April1443 1) als Erklärung zur Bulle. Sie geradezu aufheben durfte
er nicht, auch nicht die frevelhaften Ränke aufdecken, welche sie zuStande gebracht hatten. Die königliche Erklärung legte sie aber ineinem Sinne aus, wodurch sie unwirksam werden sollte. Er sprach
seine Entrüstung über die Unverschämtheit derer aus, welche die
Bulle des Papstes zum Vorwand ihrer Angriffe auf Juden undMohammedaner nahmen. Nach kanonischen und königlichen Gesetzensollten diese unbelästigt und unangefochten unter Christen leben.Außerdem bezeichne die Bulle genau die Beschränkungen gegen Judenund Mohammedaner; daraus folge aber keineswegs, daß sie beraubt,verletzt oder gemißhandelt werden dürfen, auch nicht, daß sie nichtHandel und Handwerk treiben, Zeugweber, Goldarbeiter, Zimmerleute,Barbiere, Schuhmacher, Schneider, Müller, Kupferschmiede, Sattler,Seiler, Töpfer, Wagenbauer, Korbmacher sein, und daß die Christenihnen darin nicht Dienste leisten dürften. Denn dadurch büßen dieLetzteren ihre Autorität keineswegs ein, noch gerathen sie dadurch inallzugroße Vertraulichkeit mit diesen, noch erscheinen die Ersterendurch Betreibung dieser Geschäfte besonders geehrt, was die Bulledoch einzig und allein vermieden wissen wolle. Allerdings solltendie Christen keine Heilmittel von jüdischen und maurischen Aerztenannehmen, es sei denn, daß christliche Hände den Trank be-reiteten. Allein auch daraus folge nicht, daß man nicht von
*) Dieses Dekret ist mitgetheilt bei Lindo, llistoi/ ok tbs in 8poiux. 221 ff., es ist aber erst durch die früher erwähnte Bulle verständlich.