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8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
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Geschichte der Juden.

religiöse und philosophische Fragen H. Da der König unselbstständigwar, so ging die Begünstigung und Erhebung verdienter jüdischerPersönlichkeiten von de Luna aus, ohne welchen Niemand seine Handund seinen Fuß erheben durfte.

Am höchsten gestellt war Don Abraham Benveniste, welcher zumGroß-Rabbiner oder zum Rabbiner des Hofes (sl Rubi äs Incorts) ernannt wurde. Mit dieser Würde wurde ihm auch die Be-fugnis; der höheren Gerichtsbarkeit, selbst für peinliche Fälle, ertheilt,welche der Großvater dieses Königs, Juan I., den Rabbinen entzogenhatte. Don Abraham war zugleich Oberrichter über die castilianischeGesammtjudenheit. Er wurde für sie ein Trost und ein Segen. Siekonnte sich durch ihn von den schweren Leiden erholen und dieWunden, welche ihr die Massenmorde und Massentaufen geschlagenhatten, einigermaßen heilen. Vermöge seiner Stellung vermochte erder Zerrüttung und Verwilderung zu steuern, welche in Folge diesertragischen Ereignisse in den Gemeinden bis zum Uebermaße eingerissenwaren.

Selbst ehemals bedeutende Gemeinden waren in den unglück-lichen Jahren vermindert und so sehr herabgekommen, daß diesynagogalen und religiösen Verhältnisse außer Rand und Bandgerathen waren. Schulen für die Jugend waren in vielen Gemeindengar nicht mehr vorhanden oder in verwahrlostem Zustande. Es warauch Mangel an Lehrkräften eingetreten, da viele dazu Befähigte zumChristenthum übergetreten ivaren. Es war selbst Mangel an Syna-gogen, da viele von Vicente Ferrer und seiner Geißlerbande in Kirchenverwandelt worden waren. Die talmudischen Lehrhäuser in dengroßen Städten waren meistens verfallen und verwaist, und dadurchwar eine solche Unwissenheit in der talmudischen Gesetzeskunde ein-getreten, daß sich an manchen Orten nicht drei Kundige ausmittelnließen, ein Rabbinats-Collegium zu bilden. Dafür hatten sich Un-würdige durch Gönnerschaft mit geistlichen Würden belehnen lassen.Mit dem Verfall des Geistes ging der Verfall der Sittlichkeit Handin Hand, da keine Autorität anerkannt war, ihm zu steuern. BeimGebete kamen nicht selten Raufereien und selbst Messerstiche vonFeinden gegen einander vor. Freche Männer und Jünglinge zwangendurch Drohung oder mit Hilfe von christlichen Helfershelfern Mädchenoder Wittwen zu Eheverbindungen mit ihnen durch gewaltsame An-steckung eines Trauringes, und es blieb den Furchtsamen nur dieWahl, entweder mit dem Frechen zu leben, oder lebenslänglich zuversitzen, da die Ehescheidung nicht so leicht erzwungen werden konnte.

S. Note 4.