Druckschrift 
8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
Entstehung
Seite
136
Einzelbild herunterladen
 

136

Geschichte der Juden.

sagte den Predigermönchen gegen den Verkehr von Juden und Christenzu eifern und erklärte den Bannspruch, welcher über die Uebertreterverhängt wurde, für null und nichtig. Er empfahl den Katholikenein freundliches und sanftes Benehmen gegen ihre jüdischen Mit-bewohner, rügte auf's strengste gewaltsame Angriffe auf diese undbestätigte sämmtliche günstige Privilegien, welche der päpstliche Stuhlje den Juden cingeräumt hatte. Indessen war diese judenfreundlicheBulle des Papstes von eben so geringer Wirkung, wie der Schutz,den ihnen der Kaiser Sigismund feierlich zugesagt hatte. Der Geistder christlichen Welt blieb verfolgungssüchtig. Die Mönche hörtendarum nicht auf, gegen diefluchwürdige" jüdische Nation zu Hetzen,das Volk nicht, die Juden zu schädigen, zu quälen oder gar todt--zuschlagen, und die nachfolgenden Päpste selbst gingen über diese Bullehinweg und machten die gehässigen kanonischen Beschränkungen mitaller Strenge geltend. Ohne sich um Papst und Kaiser zu kümmern,vertrieben die Kölner die wahrscheinlich älteste deutsche Gemeindeaus ihren Mauernzu Ehren Gottes und der heiligen Jungfrau";die Ausgewiesenen ließen sich in Deutz nieder (1426 *). Anderswo,in den süddeutschen Städten Ravensburg, U eberlin gen undLindau wurden die Juden wegen einer lügenhaften Blutbeschuldigungverbrannt (1430 2).

Die literarische Leistung der deutschen Juden war daher auch indiesem Zeitabschnitte sehr, sehr dürftig und fast null. Die mörderischenFäuste und die abhetzenden -Quälereien haben ihren Geist stumpf ge-macht. Selbst im Talmudstudium waren die deutschen Rabbinermittelmäßig und haben nichts Besonderes zu Tage gefördert. MancheRabbiner wurden von den Landesfürsten angestellt; wenigstens hatder Kaiser Sigismund einem seiner jüdischen Agenten Haym vonLandshut den Auftrag ertheilt,drei Rabbiner (Judenmeister) inDeutschland zu ernennen "3). Später ertheilte er dem ErbkämmererConrad von Weinsberg den Auftrag, einen Rabbiner Anselm

vom 8. August 1442 (bei Raynaldus zum genannten Jahre l^o. 15) hebt aus-drücklich die günstigen Privilegien Martins auf: ornnia, st sinAula pitvIIsAia,sxemptionss, libsi-tatss, ioarnunitatss, sonssssionss st inckulta psi- nos aoNai-tliium I'apam V. . . basta vel soiissssa . . . eassamus, rovosamnsst annnllamus. Martin selbst hat also seine Begünstigung durch keine spätereBulle cassirt.

Nach Zunz a. a. O.; Wehden, Geschichte der Juden in Köln, S. 196;Slobbc a. a. O- S. 93, Uo. 82 und 191 fg. berichtigt das Datum 1424in 1426. 2 ) Joseph Kohcn a. a. O- p. 75.

2) Aschbach, Geschichte Kaiser Sigismnnd's B. III. S. 46V, Regesten undZtinerar vom 10. November 1426; vcrgl. Stobbe das. S. 259.