Verfolgung der Juden in Oesterreich. 133
Die Güter der vermögenden Juden wurden gleichzeitig confiscirt, dieArmen dagegen wurden sofort des Landes verwiesen. In den Kerkernwurden Frauen von ihren Männern und Kinder von ihren Elterngetrennt. Als ihre Hülflosigkeit den Grad der Verzweiflung erreichthatte, kamen die Priester mit dem Kreuze und ihren süßlich-giftigenWorten und forderten sie zur Bekehrung auf. Manche Schwach-müthigen retteten durch Annahme der Taufe ihr Leben. Die Muthigendagegen entleibten sich selbst sammt ihren Angehörigen durch Aus-schneiden der Adern, mit Riemen und Stricken oder mit dem, was siebei der Hand hatten. Die Ueberlebenden wurden durch lange Kerker-haft und Grausamkeit mürbe gemacht. Die Kinder wurden ihnen
entrissen und in Klöster gesteckt. Dennoch blieben sie standhaft, undsie wurden nach fast einjähriger Haft auf dem Scheiterhaufen verbrannt(9. Nwan --- 12. März 1421), in Wien allein mehr als Hundert aufeiner Wiese an der Donau bei Erdelburg. Erzherzog Albrecht erlies; nochdazu einen Befehl, daß künftighin kein Jude in Oesterreich weilen dürfte.
An den Bekehrten hatte aber die Kirche keine Freude. Dergrößte Theil derselben benutzte jede Gelegenheit, irgend wohin aus-zuwandern und zum Judenthum zurückzukehren. Sie wendeten sichnach dem durch die Hussitenspaltung duldsamem Böhmen oder nord-wärts nach Polen und südwärts nach Italien. Wie anhänglich dieösterreichischen Juden ihrer Religion waren, beweist das Benehmeneines gewandten Jünglings. Dieser war nach empfangener Taufeder Liebling des Herzogs Friedrich, des nachmaligen Kaisers, ge-worden, und obwohl im Ueberfluß fürstlicher Gnade lebend, wurdeer von Reue wegen des Abfalls von seinem Glauben ergriffen underklärte rund heraus, er wolle zum Judenthum zurückkehren. Friedrichgab sich Mühe, seinen Liebling von diesem Gedanken abzubringen, er-bat, flehete, drohte, ließ einen Geistlichen zu ihm führen, um ihn zubelehren; Alles vergeblich. Zuletzt übergab der Herzog den „Ver-blendeten und Rückfälligen" dem geistlichen Gerichte, und dieses ver-urtheilte ihn zum Feuertode. Ohne Fesseln, mit einem hebräischenGesang auf den Lippen, bestieg der jüdische Jüngling den Scheiterhaufens.
Strafe wegen der Ermordung der drei Knaben, wie der Schändung der Hostieerfolgen. Doctor Eck von Ingolstadt giebt denselben Causalnexus in seinerjudenfcindlichcn Schrift: „Inden-Büchleins Verlegung", setzt das Factumaber richtig unter Albrecht. Aus Alfonso de Spina hat Usque die Nachrichtgeschöpft mit dem Jrrthum »ldsäsrioo Lmiisraäor» (III. dio. 9), undvon da ging der Jrrthum durch die Sccundärqucllen von Manasse b. Israel,Cardoso, Mendelssohn zu den Neuern über.
Arcnpcck, Oürouioon ^.nstrirrenm bei Wcrthcimer, Juden in OesterreichS. 99 Note.