Verfolgung der Juden in Oesterreich. 131
Kirche kehrte, nahm sie eine alttestamentliche, so zu sagen jüdischeFärbung an. Die Hussiten betrachteten nicht mit Unrecht den Katho-licismus als Heidenthum und sich als die Israeliten, welche gegendie Philister, Moabiter, Ammoniter einen heiligen Krieg zu führenhätten. Sie zerstörten Kirchen und Klöster, als Stätten des wüstenGötzenthums, als Baals- und Molochs-Tempel, als Astarten-Höhlen,mit Feuer und Schwert. Die Hussitenkriege, von religiösem Unwillenund Racenhaß der Tschechen gegen die Deutschen zugleich erzeugt,singen an, die Stickluft des Kirchenglaubens ein wenig zu reinigen.
Den Juden kam dieser Wuthausbruch nicht zu Statten, hattevielmehr für sie eine trübselige Wirkung. Nicht die wilden Hussiten,sondern der gegen die neue Ketzerei aufgestachelte katholische Fanatis-mus fügte den Juden viel Leides zu. Jene haben höchstens einmaljüdische Häuser neben katholischen ausgeplündert und gegen den Wucherder Juden geeifert. Von besonderer Feindseligkeit der Hussiten gegendie Juden liegen dagegen keine Beweise vor. Die Letzteren wurdenvielmehr von katholischer Seite beschuldigt, den Hussiten heimlich Geldund Waffen geliefert zu haben, und wurden deswegen in den an denBöhmermald grenzenden baierischcn Städten als Freunde und Be-förderer der Ketzer aufs Grausamste verfolgt^). Die Dominikaner,dieses Heer des Antichrists (wie sie genannt wurden), welche rache-schnaubende Predigten gegen die Hussiten hielten, schlossen die Judenmit ein und hetzten die Völker und Fürsten gegen die „Sanftmüthigender Erde". Wie die Kreuzzüge gegen die Mohammedaner und gegendie Albigensischen Ketzer den Anfang mit den Juden nahmen, ebensobegannen die gegen die hussitischen Kelchner mit Judenverfolgung.Der Bischof von Mainz vertrieb die Juden seiner Diöcese mit Weibund Kind (1420) ans keinem andern Grunde, als nur um ihreSünde und Bosheit nicht zu dulden. Er nahm ihnen auch all ihrHab und Gut ab und ließ jedem nur dreißig Pfennige zur Erinnerungan den angeblichen Verrath des Judas Jschariot um dreißig Silber-linge^). Die Juden Oesterreichs — des Landes, welches gleichSpanien von milder Duldung der Juden zur Verfolgungssucht fort-schritt, mit diesem auch eine so große Wahlverwandtschaft in derBigotterie hatte, daß sich beide zuletzt gefunden und vereinigt haben —die Juden Oesterreichs empfanden zuerst den von neuem aufgestachelten
Vcrgl. Aschbach: Geschichte Kaiser Sigismund's III. S. 51. Wolf,Studien zur Jubelfeier der Weimarer Universität S. 22 Note: leooultutsIllsoloA. Viiulibonsrisi luotu tärit msutio cks aoukscksrutious lluäas-orum st IIri8sitorum, vom 10. Jan. 1419.
2) Bei Stobbc S. 191 f.